Künstlerporträt
Joy Division
Vier junge Männer aus Salford, die in nur zwei Jahren den Klang des Post-Punk prägten – kühl, weiträumig und voller Spannung.
Joy Division waren nur kurz da, und doch klingt ihr Einfluss bis heute nach. Aus der Wut des Punk machten sie etwas Neues: langsamer, dunkler, mit viel Raum zwischen den Instrumenten. Peter Hooks melodischer Bass, Stephen Morris’ präzises Schlagzeug, Bernard Sumners kantige Gitarre und Ian Curtis’ tiefe Stimme ergaben einen Sound, den der Produzent Martin Hannett zu etwas Geisterhaftem formte. Nach dem Ende der Band machten die drei übrigen Musiker als New Order weiter.
In diesem Porträt
1976–1977
01 Salford
Am 4. Juni 1976 spielten die Sex Pistols in der Lesser Free Trade Hall in Manchester vor nur wenigen Dutzend Zuschauern. Unter ihnen waren Bernard Sumner und Peter Hook aus Salford, die danach beschlossen, selbst eine Band zu gründen – ohne ihre Instrumente wirklich zu beherrschen.
Über eine Anzeige kam der Sänger Ian Curtis aus Macclesfield dazu, im August 1977 schließlich der Schlagzeuger Stephen Morris. Die Band nannte sich zunächst Warsaw, nach David Bowies Instrumentalstück „Warszawa“.
1978
02 Factory
Anfang 1978 benannten sie sich in Joy Division um, auch um Verwechslungen mit einer Londoner Band zu vermeiden. Der Fernsehmoderator Tony Wilson sah sie live und holte sie im selben Jahr zu seinem neuen Label Factory Records.
Bei Factory trafen sie auf Martin Hannett, einen eigenwilligen Produzenten, der mit Echogeräten und Hallräumen experimentierte, und auf den Grafiker Peter Saville. Beide prägten das Bild der Band so sehr wie die Musiker selbst.
1979
03 Unknown Pleasures
Im April 1979 nahm die Band in den Strawberry Studios in Stockport ihr erstes Album auf, an wenigen Wochenenden. Hannett trennte die Instrumente, legte Echos und Raumklang darüber und ließ das Schlagzeug fast mechanisch klingen. Hook fand, das klinge wie Pink Floyd, räumte aber später ein, dass erst Hannett den Klang von Joy Division erschaffen habe.
Unknown Pleasures erschien am 15. Juni 1979. Zu den zehn Stücken gehören „Disorder“, „She’s Lost Control“, „Shadowplay“ und „New Dawn Fades“. Das Cover von Peter Saville zeigt ohne Bandnamen und Titel die Signalkurven eines Pulsars, weiß auf schwarz. Die erste Auflage verkaufte sich langsam, doch das Bild ist heute eines der bekanntesten der Popgeschichte.
1979–1980
04 Closer
Im Herbst 1979 erschien die Single „Transmission“, und die Band spielte unermüdlich live. Curtis’ ekstatischer, abgehackter Tanz auf der Bühne wurde zu ihrem Markenzeichen.
Im März 1980 nahmen sie in London ihr zweites Album Closer auf. Ian Curtis starb am 18. Mai 1980 mit 23 Jahren, kurz vor der ersten Amerika-Tournee. Closer und die Single „Love Will Tear Us Apart“ erschienen erst danach und wurden zu den größten Erfolgen der Band.
1980–1990
05 New Order
Sumner, Hook und Morris hatten vereinbart, ohne Curtis nicht unter dem alten Namen weiterzumachen. Mit der Keyboarderin Gillian Gilbert gründeten sie New Order.
Die neue Band verband die Strenge von Joy Division mit den Rhythmen der New Yorker Clubs. „Blue Monday“ von 1983 wurde zu einer der meistverkauften Maxisingles überhaupt.
1980–heute
06 Was bleibt
Unzählige Bands, von Interpol bis zu den Editors, beriefen sich auf Joy Division. 2007 erzählte der Fotograf Anton Corbijn die Geschichte der Band in seinem Schwarz-Weiß-Film Control.
Das Pulsar-Motiv von Unknown Pleasures ist längst auf T-Shirts, Postern und Tassen in aller Welt zu sehen. 2026 wurden Joy Division und New Order gemeinsam in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen.
Hörtipp
Unknown Pleasures gehört in einen abgedunkelten Raum und auf eine Anlage mit gutem Bass – Hooks Linien tragen das ganze Album. Zur Album-Story →
Das Album bei Musik Ungestört
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Den ersten Bandnamen Warsaw entlieh die Gruppe Bowies Instrumental „Warszawa“ vom Album Low.
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1986rund 37 Minuten
Auch Morrissey stand im Juni 1976 im Publikum beim Sex-Pistols-Konzert in Manchester, das Sumner und Hook zur Bandgründung brachte.
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