Künstlerporträt
Kraftwerk
Vier Männer aus Düsseldorf, die mit selbstgebauten Maschinen die elektronische Popmusik erfunden haben.
Kraftwerk haben Musik gemacht, die nach Zukunft klang, als die Zukunft noch aus Röhren und Kabeln bestand. Autobahnen, Züge, Computer und Roboter waren ihre Themen, Synthesizer und Drumcomputer ihre Instrumente. Ohne Kraftwerk gäbe es Synthiepop, Techno und viel Hip-Hop in der heutigen Form wohl nicht. Und trotzdem sind ihre Stücke oft erstaunlich melodisch, fast romantisch.
In diesem Porträt
1968–1973
01 Düsseldorf
Ralf Hütter und Florian Schneider lernten sich Ende der Sechziger kennen und gründeten 1970 in Düsseldorf Kraftwerk. In ihrem eigenen Studio, dem Kling Klang, experimentierten sie mit Orgel, Flöte, Geige und immer mehr Elektronik.
Die ersten Alben gehören noch zum Krautrock, der experimentellen deutschen Rockmusik jener Jahre. Doch Hütter und Schneider suchten bald einen ganz anderen, reduzierten Klang.
1974–1976
02 Autobahn
Mit Autobahn gelang 1974 der Durchbruch. Das Titelstück dauert über zwanzig Minuten und klingt wie eine Fahrt über die deutsche Autobahn, mit Motorgeräuschen, Hupen und einem deutschen Text. Eine gekürzte Fassung wurde in den USA und Großbritannien ein Hit.
Mit Wolfgang Flür und Karl Bartos an elektronischem Schlagzeug stand die klassische Besetzung. Radio-Aktivität folgte 1975.
1977
03 Trans-Europa Express
Trans-Europa Express erschien 1977, auf Deutsch und auf Englisch. Das Album träumt von einem vereinten Europa, von Zugreisen, Bahnhöfen und Schaufensterpuppen. Der Rhythmus des Titelstücks erinnert an das Rattern von Rädern auf Schienen.
Im Text des Titelstücks taucht eine Begegnung mit Iggy Pop und David Bowie auf, die beide damals in Berlin lebten und Kraftwerk bewunderten. „Europa Endlos“ und „Spiegelsaal“ zeigen die ruhige, fast wehmütige Seite der Band.
1978–1986
04 Die Mensch-Maschine
Auf Die Mensch-Maschine von 1978 standen die vier als Roboter vor der Kamera. „Das Model“ wurde Jahre später in Großbritannien ein Nummer-eins-Hit. Computerwelt von 1981 sah vieles voraus, was heute Alltag ist.
In New York baute Afrika Bambaataa 1982 für „Planet Rock“ Teile von „Trans-Europa Express“ und „Nummern“ ein. Der Song wurde zum Grundstein des Electro und prägte den frühen Hip-Hop.
1987–heute
05 Kling Klang
Flür verließ die Band 1987, Bartos 1990, Florian Schneider 2008. Ralf Hütter führt Kraftwerk seitdem mit neuen Mitgliedern weiter. Schneider starb 2020.
Seit 2012 spielen Kraftwerk ihre Alben in Konzerten mit 3D-Bildern, zuerst im Museum of Modern Art in New York. 2021 wurde die Band in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen.
Hörtipp
Trans-Europa Express ist ideal für einen Abend, an dem man sich zurücklehnt und reist. Wer mag, hört eine Seite auf Deutsch und eine auf Englisch – die Unterschiede sind klein und doch spannend. Zur Album-Story →
Das Album bei Musik Ungestört
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