Künstlerporträt
The Rolling Stones
Eine Londoner Blues-Band, die ihren Namen einem Song von Muddy Waters verdankt – und seit über sechzig Jahren nicht aufgehört hat.
Die Rolling Stones begannen als Bewunderer: junge Briten, die amerikanischen Blues so genau nachspielen wollten wie möglich. Daraus wurde die langlebigste Rockband der Welt. Sie waren das raue Gegenstück zu den Beatles, sie haben Skandale, Verluste und Streit überstanden, und sie standen noch auf der Bühne, als die meisten ihrer Zeitgenossen längst aufgehört hatten.
In diesem Porträt
1961–1963
01 Dartford und London
Mick Jagger und Keith Richards kannten sich aus der Grundschule in Dartford, einer Stadt südöstlich von London, hatten sich aber aus den Augen verloren. Im Oktober 1961 trafen sie sich zufällig am Bahnhof wieder. Jagger trug Platten von Chuck Berry und Muddy Waters unter dem Arm, und die beiden kamen ins Gespräch.
Der Gitarrist Brian Jones hatte bereits eine Blues-Band gegründet, und Jagger und Richards stiegen ein. Am 12. Juli 1962 spielten sie im Londoner Marquee Club zum ersten Mal als The Rolling Stones – benannt nach Muddy Waters’ Song „Rollin’ Stone“. Bill Wyman und Charlie Watts kamen bald dazu. Ihr Manager Andrew Loog Oldham baute sie gezielt als freche Gegenfiguren zu den adretten Beatles auf.
1964–1967
02 Eigene Songs
Die ersten Singles waren Coverversionen, darunter „I Wanna Be Your Man“, das Lennon und McCartney ihnen überlassen hatten. Oldham drängte Jagger und Richards, selbst zu schreiben, und schloss sie angeblich in eine Küche ein, bis ein Song fertig war.
1965 kam „(I Can’t Get No) Satisfaction“. Richards hatte das Gitarrenriff im Halbschlaf auf einen Kassettenrekorder gespielt und am Morgen fast vergessen. Der Song wurde ihr erster Nummer-eins-Hit in den USA. Aftermath von 1966 war das erste Album, das nur aus eigenen Songs bestand.
Die Stones waren nun die Band, vor der Eltern ihre Kinder warnten. Songs wie „Get Off of My Cloud“ und „Paint It Black“ mit Brian Jones an der Sitar klangen dunkler und aufmüpfiger als die der Konkurrenz – und genau das machte sie für viele Jugendliche so anziehend.
1968–1969
03 Die große Zeit beginnt
Nach einem psychedelischen Umweg fanden die Stones 1968 zu sich zurück: „Jumpin’ Jack Flash“ und das Album Beggars Banquet klangen wieder erdig, nach Blues und Country. Damit begann eine Reihe von Alben, die bis heute als ihre beste Zeit gilt.
Im Juni 1969 verließ Brian Jones die Band, wenige Wochen später starb er. Zwei Tage danach spielten die Stones ein Gratiskonzert im Londoner Hyde Park vor Hunderttausenden, mit dem jungen Gitarristen Mick Taylor. Im Dezember erschien Let It Bleed, mit „Gimme Shelter“, in dem die Sängerin Merry Clayton mit ihrer Stimme alles überstrahlt, und mit „You Can’t Always Get What You Want“ samt dem London Bach Choir.
1971–1972
04 Exil an der Riviera
1971 erschien Sticky Fingers, mit einem echten Reißverschluss auf dem Cover, das Andy Warhol entworfen hatte, und zum ersten Mal mit der berühmten herausgestreckten Zunge als Logo. Im selben Jahr verließ die Band England und ging nach Frankreich.
Keith Richards mietete die Villa Nellcôte an der Côte d’Azur, und im Keller, bei feuchter Hitze und mit einem mobilen Aufnahmestudio vor der Tür, entstand ein großer Teil von Exile on Main St. Das Doppelalbum erschien im Mai 1972. Es klingt verschwitzt und verwaschen, wie eine lange Nacht. Die Kritik war zunächst gemischt, heute gilt es als eines der besten Rockalben überhaupt.
Die Aufnahmen in Nellcôte liefen chaotisch: Musiker kamen und gingen, gearbeitet wurde meist nachts, und die Feuchtigkeit im Keller ließ die Gitarren ständig verstimmen. Aus diesem Durcheinander entstanden Songs wie „Tumbling Dice“ und „Happy“, das Keith Richards selbst singt.
1974–1993
05 Die größte Rockband der Welt
Mick Taylor stieg 1974 aus, Ronnie Wood von den Faces kam 1975 dazu und blieb. Die Stones wurden nun zur Institution, mit immer größeren Tourneen, Bühnenbildern und Stadien.
Some Girls von 1978 war eine Antwort auf Punk und Disco zugleich. „Start Me Up“ vom Album Tattoo You von 1981 wurde einer ihrer bekanntesten Songs. Nach Jahren des Streits zwischen Jagger und Richards kam 1989 mit Steel Wheels die Versöhnung und eine der erfolgreichsten Tourneen, die es bis dahin gegeben hatte. Bill Wyman verließ die Band Anfang der Neunziger.
1994–heute
06 Kein Ende in Sicht
Die Stones spielten weiter, Jahrzehnt für Jahrzehnt, auch als ihre Mitglieder längst über siebzig waren. Im August 2021 starb Charlie Watts, der ruhige Schlagzeuger, der fast sechzig Jahre lang ihr Fundament gewesen war.
2023 erschien mit Hackney Diamonds das erste Album mit neuen eigenen Songs seit fast zwanzig Jahren. Auf einem Stück spielt Paul McCartney Bass – sechzig Jahre nachdem die Beatles den Stones ihren ersten Hit geschenkt hatten.
Mick Jagger und Keith Richards sind seit über sechzig Jahren das Zentrum der Band, trotz aller Streitigkeiten. Ihre Konzerte sind bis heute Ereignisse, und Jagger bewegt sich auf der Bühne mit über achtzig noch so, als habe er gerade erst angefangen.
Womit anfangen?
Let It Bleed: kürzer, kompakter und mit den bekannteren Songs. Exile on Main St. ist lang und dicht und entfaltet sich am besten, wenn man es ganz durchlaufen lässt – der Abend für Fortgeschrittene. Zur Album-Story →
Die Alben bei Musik Ungestört
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The Rolling Stones
Let It Bleed
196942:21
Let It Bleed zeigt die Rolling Stones im Umbruch zwischen Brian Jones und Mick Taylor, mit Merry Claytons legendaerem Gimme-Shelter-Gesang und neun Songs zwischen Blues, Gospel und Country.
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The Rolling Stones
Exile on Main St.
1972rund 67 Minuten
Im Kellergeschoss eines Steuerexils aufgenommen - roh, sumpfig, bis heute eines der besten Stones-Alben.
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Muddy Waters
At Newport 1960
1960rund 34 Minuten
Muddy Waters, von dessen Song „Rollin’ Stone“ die Band ihren Namen hat, live beim Newport Jazz Festival 1960.
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John Mayall & the Bluesbreakers
Blues Breakers with Eric Clapton
1966rund 37 Minuten
Die britische Blues-Szene der Sechziger, aus der auch die Stones kamen: John Mayall mit dem jungen Eric Clapton.
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Künstlerporträt
The Beatles
2 Alben auf dieser Seite
Die ewigen Rivalen – und doch befreundet: Lennon und McCartney schrieben den ersten Hit der Stones.
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