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Künstlerporträt

Portishead

Drei Musiker aus der Nähe von Bristol, die Hip-Hop-Beats, Filmmusik und eine zerbrechliche Stimme zu einem ganz eigenen, dunklen Klang verbanden.

Portishead haben in über dreißig Jahren nur drei Studioalben veröffentlicht, und trotzdem kennt fast jeder ihren Klang. Geoff Barrow baute Beats aus alten Schallplatten, Adrian Utley brachte Gitarren und Instrumente aus Spionagefilmen der Sechziger dazu, und Beth Gibbons sang darüber mit einer Stimme voller Zweifel und Sehnsucht. Mit ihrem Debüt Dummy prägten sie 1994 zusammen mit Massive Attack das, was man später Trip-Hop nannte. Die Band selbst mochte dieses Etikett nie.

In diesem Porträt

  1. 01Bristol 1991–1993
  2. 02Dummy 1993–1995
  3. 03Portishead und Roseland 1996–1998
  4. 04Eigene Wege 1999–2007
  5. 05Third und danach 2008–heute

1991–1993

01 Bristol

Geoff Barrow stammt aus Portishead, einer Kleinstadt westlich von Bristol, nach der die Band benannt ist. Als junger Mann arbeitete er in den Coach House Studios in Bristol, wo Massive Attack gerade ihr erstes Album Blue Lines aufnahmen.

Anfang 1991 lernte er bei einem Förderkurs für Arbeitslose die Sängerin Beth Gibbons kennen. Im selben Jahr gründeten sie Portishead. Der erfahrene Jazzgitarrist Adrian Utley hörte eine ihrer ersten Aufnahmen im Studio und stieg ein.

1993–1995

02 Dummy

Cover von Dummy
Dummy · 1994

Dummy entstand 1993 und 1994 in Bristol. Die Band arbeitete wie Hip-Hop-Produzenten mit Samples und Scratches, aber möglichst analog: Eigene Aufnahmen wurden auf Vinyl gepresst und dann wieder gesampelt, Platten absichtlich abgenutzt, damit sie alt klangen. „Sour Times“ verwendet ein Stück von Lalo Schifrin, „Glory Box“ eines von Isaac Hayes. Für den Kurzfilm To Kill a Dead Man hatten sie vorher schon eine eigene Filmmusik gebaut.

Das Album erschien am 22. August 1994 und kam in Großbritannien auf Platz 2. „Sour Times“ und „Glory Box“ wurden Hits, dazu kommen Stücke wie „Mysterons“, „Numb“ und „Roads“. 1995 gewann Dummy den Mercury Prize.

1996–1998

03 Portishead und Roseland

Das zweite Album Portishead von 1997 klang rauer und düsterer. Wieder spielten sie viele Klänge selbst ein, um sie dann wie alte Samples zu behandeln.

Für ein Konzert im Roseland Ballroom in New York holten sie ein Orchester auf die Bühne. Der Mitschnitt Roseland NYC Live erschien 1998. Danach wurde es lange still um die Band.

1999–2007

04 Eigene Wege

Beth Gibbons nahm 2002 mit Paul Webb, dem früheren Bassisten von Talk Talk, unter dem Namen Rustin Man das Album Out of Season auf, ruhig und von Folk und Jazz geprägt.

Geoff Barrow gründete ein eigenes Label und arbeitete an anderen Projekten, Adrian Utley spielte mit vielen Musikern außerhalb der Band.

2008–heute

05 Third und danach

Elf Jahre nach dem letzten Studioalbum erschien 2008 Third, kantiger und experimenteller als alles zuvor, mit Stücken wie „Machine Gun“. Die Band spielte danach weltweit Konzerte.

Im Mai 2022 trat Portishead in Bristol bei einem Benefizkonzert für die Ukraine auf. Beth Gibbons sang im selben Jahr auf Kendrick Lamars Album Mr. Morale & the Big Steppers und veröffentlichte 2024 ihr erstes Soloalbum Lives Outgrown. Geoff Barrow schreibt heute vor allem Filmmusik.

Hörtipp

Dummy gehört in die späte Stunde eines Abends, wenn das Licht schon gedämpft ist und niemand mehr tanzen, aber auch noch niemand gehen will. Zur Album-Story →

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