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Künstlerporträt

Robert Johnson

Zwei Aufnahmesitzungen, kaum Fotos, ein früher Tod – und trotzdem einer der einflussreichsten Musiker des 20. Jahrhunderts.

Robert Johnson hat in seinem kurzen Leben 29 Songs aufgenommen, alle in Texas, alle allein mit Gitarre. Zu Lebzeiten war er ein wandernder Musiker unter vielen, bekannt im Süden, außerhalb kaum. Über sein Leben weiß man wenig Sicheres, und in die Lücken hat sich früh eine Legende geschoben. Seinen Ruf verdankt er den Aufnahmen selbst: Als sie 1961 neu erschienen, hörten junge Musiker in England und Amerika darin, wo ihre eigene Musik herkam.

In diesem Porträt

  1. 01Kindheit 1911–1929
  2. 02Lehrjahre 1929–1936
  3. 03Texas 1936–1937
  4. 04Greenwood 1937–1938
  5. 05Wiederentdeckung 1961–1990
  6. 06Was bleibt 1990–heute

1911–1929

01 Kindheit

Robert Johnson wurde in Hazlehurst im Bundesstaat Mississippi geboren, nach den meisten Angaben am 8. Mai 1911; ganz sicher ist das Datum nicht. Seine Mutter war mit einem anderen Mann verheiratet, Charles Dodds, der sich später Spencer nannte. Robert wuchs deshalb eine Zeit lang als Robert Spencer in Memphis auf.

Um 1920 kam er zurück zu seiner Mutter, die inzwischen im Mississippi-Delta lebte, in der Gegend von Robinsonville. Erst später erfuhr er, wer sein leiblicher Vater war, ein Mann namens Noah Johnson, und nahm dessen Namen an. Er spielte zunächst Mundharmonika, dann Gitarre.

1929–1936

02 Lehrjahre

1929 heiratete Johnson die sehr junge Virginia Travis, die schon im folgenden Jahr bei einer Geburt starb. Danach wandte er sich ganz der Musik zu. In Robinsonville hörte er Son House und Willie Brown, zwei der wichtigsten Bluesmusiker der Gegend. House erinnerte sich später an einen Jungen, der ganz ordentlich Mundharmonika, aber schlecht Gitarre spielte.

Johnson verschwand für eine Weile in den Süden des Bundesstaats und lernte dort bei dem Gitarristen Ike Zimmerman, der gern nachts auf Friedhöfen übte, weil es dort ruhig war. Als er zurückkam, spielte er so gut, dass House kaum glauben konnte, was er hörte. Aus dieser Verwandlung wurde später die Legende vom Pakt mit dem Teufel an einer Kreuzung – eine Geschichte, die ursprünglich über einen anderen Musiker, Tommy Johnson, erzählt wurde.

1936–1937

03 Texas

Johnson zog als Straßen- und Kneipenmusiker durch den Süden und darüber hinaus; sein Weggefährte Johnny Shines berichtete von Reisen bis nach Chicago und New York. Über einen Talentsucher kam er zur American Record Corporation. Im November 1936 nahm er im Gunter Hotel in San Antonio auf, unter anderem „Cross Road Blues“, „Kind Hearted Woman Blues“ und „Sweet Home Chicago“.

„Terraplane Blues“ verkaufte sich gut genug für eine zweite Sitzung. Im Juni 1937 spielte Johnson in Dallas unter anderem „Hellhound on My Trail“ und „Love in Vain“ ein. Es waren seine letzten Aufnahmen. Insgesamt erschienen bis 1939 zwölf Schellackplatten.

1937–1938

04 Greenwood

Johnson starb am 16. August 1938 in der Nähe von Greenwood, Mississippi, mit 27 Jahren. Die Umstände sind bis heute unklar. Er hatte in der Gegend bei Tanzabenden gespielt; Zeitzeugen erzählten später von vergiftetem Whiskey, doch eine Todesursache wurde nie festgestellt. Drei Grabsteine in der Gegend tragen seinen Namen, wo er wirklich liegt, weiß niemand.

Für sein Konzert „From Spirituals to Swing“ im Dezember 1938 in der Carnegie Hall wollte John Hammond ihn nach New York holen. Stattdessen spielte Hammond dem Publikum zwei von Johnsons Platten vor.

1961–1990

05 Wiederentdeckung

Cover von King of the Delta Blues Singers
King of the Delta Blues Singers · 1961

1961 veröffentlichte Columbia, angestoßen von Hammond, die LP King of the Delta Blues Singers mit sechzehn Aufnahmen. Hammond gab Bob Dylan vorab ein Exemplar. In London landete die Platte bei Brian Jones, Keith Richards und Eric Clapton. Clapton sang „Ramblin' on My Mind“ 1966 mit John Mayall auf Blues Breakers, die Rolling Stones nahmen 1969 „Love in Vain“ auf.

1970 folgte eine zweite LP mit weiteren Stücken. Keith Richards verglich sein Gitarrenspiel später mit Bach.

1990–heute

06 Was bleibt

1990 erschien die Box The Complete Recordings mit allen bekannten Aufnahmen. Sie verkaufte sich über eine Million Mal und gewann einen Grammy – für einen Musiker, der zu Lebzeiten nie über den Süden hinaus bekannt war. Schon 1986 war Johnson als früher Einfluss in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen worden.

Es gibt nur wenige gesicherte Fotos von ihm: zwei wurden in den Achtzigerjahren bekannt, ein drittes erst 2020, andere gelten als zweifelhaft. Eric Clapton nannte ihn den wichtigsten Bluesmusiker, der je gelebt hat. Man muss die Legende nicht glauben, um das nachzuvollziehen: Es reicht, die Aufnahmen zu hören.

Hörtipp

King of the Delta Blues Singers ist eine Platte für einen ruhigen Abend in kleiner Runde, am besten ohne Nebengespräche und mit etwas Geduld für die ersten zwei, drei Stücke. Danach hört man das Rauschen kaum noch. Zur Album-Story →

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