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Künstlerporträt

The Beach Boys

Eine Familienband aus Kalifornien, die mit Surfsongs begann und in Brian Wilson einen der großen Klangarchitekten der Popmusik hatte.

Die Beach Boys waren zuerst die Stimme des kalifornischen Sommers: Autos, Wellen, Mädchen am Strand, gesungen in makellosen Harmonien. Hinter dieser Fassade arbeitete Brian Wilson an etwas viel Größerem. Er hörte Musik als Ganzes, mit Orchesterfarben, ungewöhnlichen Akkorden und Stimmen, die sich übereinander schichten. Mit Pet Sounds schuf er 1966 ein Album, das selbst die Beatles herausforderte und bis heute als Maßstab für Studiokunst gilt.

In diesem Porträt

  1. 01Hawthorne 1961–1962
  2. 02Sommer ohne Ende 1963–1965
  3. 03Pet Sounds 1965–1966
  4. 04Smile 1966–1976
  5. 05Oldies und Heimkehr 1976–2012
  6. 06Was bleibt 2012–heute

1961–1962

01 Hawthorne

Die Beach Boys begannen 1961 in Hawthorne, einem Vorort von Los Angeles. Zur Band gehörten die drei Brüder Brian, Dennis und Carl Wilson, ihr Cousin Mike Love und ihr Schulfreund Al Jardine. Dennis war der einzige Surfer unter ihnen und brachte die Idee auf, über das Surfen zu singen.

Ende 1961 erschien die erste Single „Surfin’“ bei einem kleinen Label und wurde in Los Angeles ein regionaler Erfolg. 1962 nahm Capitol Records die Band unter Vertrag. Der Vater der Wilsons, Murry, wurde ihr Manager.

1963–1965

02 Sommer ohne Ende

Mit „Surfin’ U.S.A.“, „Fun, Fun, Fun“ und „I Get Around“ wurden die Beach Boys zur erfolgreichsten amerikanischen Band ihrer Zeit. „I Get Around“ war 1964 ihr erster Nummer-eins-Hit in den USA. Brian Wilson schrieb, arrangierte und produzierte die Songs zunehmend allein.

Ende 1964 erlitt Brian auf einem Flug eine Panikattacke und entschied, nicht mehr mit auf Tournee zu gehen. Während die anderen durch die Welt reisten, blieb er in Los Angeles im Studio. Bruce Johnston übernahm ab 1965 seinen Platz auf der Bühne.

1965–1966

03 Pet Sounds

Cover von Pet Sounds
Pet Sounds · 1966

Angeregt vom Beatles-Album Rubber Soul wollte Brian Wilson eine Platte ohne Füllmaterial machen. Die Texte schrieb er mit dem Werbetexter Tony Asher. Die Instrumente spielten vor allem Studiomusiker der sogenannten Wrecking Crew, darunter der Schlagzeuger Hal Blaine und die Bassistin Carol Kaye, in mehreren Studios in Hollywood. Neben Gitarren und Bass erklingen Waldhorn, Cembalo, Fahrradklingeln und ein elektronisches Theremin-Instrument.

Als die Band von einer Tournee zurückkam, sang sie die Stimmen ein. Pet Sounds erschien am 16. Mai 1966 mit Songs wie „Wouldn’t It Be Nice“, „Sloop John B“, „Caroline, No“ und „God Only Knows“, gesungen von Carl Wilson. In den USA kam das Album nur auf Platz zehn, in Großbritannien auf Platz zwei. Paul McCartney nannte es später einen wichtigen Anstoß für Sgt. Pepper.

1966–1976

04 Smile

Im Oktober 1966 erschien „Good Vibrations“, aufgenommen in vielen einzelnen Teilen und über Monate zusammengesetzt. Die Single wurde ein weltweiter Nummer-eins-Hit.

Das nächste Album, Smile, schrieb Brian mit dem Texter Van Dyke Parks. Doch der Druck, Zweifel in der Band und seine psychische Erschöpfung führten dazu, dass es 1967 unvollendet liegen blieb. Die Beach Boys machten weiter, nun mit mehr Beteiligung von Carl, Dennis und den anderen, und veröffentlichten schöne, oft übersehene Alben wie Sunflower und Surf’s Up.

1976–2012

05 Oldies und Heimkehr

Mitte der Siebziger wurden die Beach Boys zu einer beliebten Liveband mit ihren frühen Hits. Dennis Wilson starb 1983. 1988 kamen sie mit „Kokomo“ noch einmal an die Spitze der amerikanischen Charts und wurden in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen.

Carl Wilson starb 1998. Brian Wilson fand ab den Neunzigern mit einer eigenen Band wieder zurück auf die Bühne und vollendete 2004 Smile als Soloalbum. 2011 erschienen die Originalaufnahmen als The Smile Sessions, und 2012 gingen die überlebenden Mitglieder zum 50. Jubiläum gemeinsam auf Tournee.

2012–heute

06 Was bleibt

Brian Wilson starb am 11. Juni 2025 mit 82 Jahren. Mike Love führt die Beach Boys bis heute als Liveband weiter.

Der mehrstimmige Gesang der Beach Boys und Brian Wilsons Arrangements wirken in vielen Generationen nach, von Popbands der Siebziger bis zu Indie-Musikern der Gegenwart. Pet Sounds steht in fast jeder Liste der wichtigsten Alben weit oben.

Hörtipp

Pet Sounds ist ein Album für den Spätsommerabend, wenn das Licht weich wird – am schönsten mit Zuhörern, die die Beach Boys bisher nur für Strandmusik hielten. Zur Album-Story →

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