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Künstlerporträt

The Beatles

Vier junge Männer aus Liverpool, die in acht Jahren fast alles erfunden haben, was eine Band im Studio tun kann.

Die Beatles haben in weniger als einem Jahrzehnt einen Weg zurückgelegt, für den andere Bands ein ganzes Leben brauchen: von Coverversionen in Hamburger Kellerclubs über eine weltweite Hysterie bis zu Alben, die das Studio selbst zum Instrument machten. Dass sie dabei nie aufhörten, eingängige Lieder zu schreiben, ist vielleicht das größte Wunder an dieser Geschichte.

In diesem Porträt

  1. 01Liverpool und Hamburg 1957–1962
  2. 02Beatlemania 1963–1965
  3. 03Das Studio als Instrument 1966
  4. 04Sgt. Pepper 1967
  5. 05Auseinanderdriften 1968–1969
  6. 06Abbey Road 1969–1970

1957–1962

01 Liverpool und Hamburg

Am 6. Juli 1957 spielte der sechzehnjährige John Lennon mit seiner Schülerband The Quarrymen auf einem Gemeindefest in Liverpool-Woolton. Dort lernte er den ein Jahr jüngeren Paul McCartney kennen, der ihn mit seinem Gitarrenspiel beeindruckte. 1958 kam George Harrison dazu, McCartneys Freund aus dem Schulbus.

Ab 1960 spielte die Band, die sich nun The Beatles nannte, monatelang in Hamburger Clubs, oft viele Stunden pro Nacht. Dort wurden sie zu einer eingespielten Liveband. Zurück in Liverpool traten sie im Cavern Club auf, wo Brian Epstein sie entdeckte und ihr Manager wurde. Im August 1962 ersetzte Ringo Starr den Schlagzeuger Pete Best, und im Oktober erschien die erste Single „Love Me Do“.

1963–1965

02 Beatlemania

Das erste Album Please Please Me nahmen sie im Februar 1963 praktisch an einem einzigen Tag auf. Innerhalb weniger Monate wurde aus einer beliebten Band ein Phänomen: Kreischende Fans, belagerte Hotels, Konzerte, bei denen die Musik im Lärm unterging. Die Presse nannte es Beatlemania.

Am 9. Februar 1964 traten die Beatles in der Ed Sullivan Show auf, und über 70 Millionen Amerikaner sahen zu. Es folgten Filme wie A Hard Day’s Night und 1965 ein Konzert vor über 55.000 Menschen im Shea Stadium in New York. Im Dezember 1965 erschien Rubber Soul, ein Album, auf dem die Songs nachdenklicher und die Klänge ungewöhnlicher wurden.

1966

03 Das Studio als Instrument

Revolver, im Sommer 1966 erschienen, klingt, als habe jemand die Tür zu einem neuen Raum aufgestoßen. Auf „Tomorrow Never Knows“ laufen Tonbandschleifen rückwärts und übereinander, die Stimme klingt wie aus einer anderen Welt. Der junge Toningenieur Geoff Emerick und der Produzent George Martin probierten alles aus, was die Beatles sich wünschten, auch wenn es gegen die Regeln der EMI-Studios verstieß.

Die Konzerte machten dagegen keinen Spaß mehr. Die Band hörte sich im Geschrei selbst nicht, und die neuen Songs ließen sich live kaum spielen. Am 29. August 1966 gaben die Beatles im Candlestick Park in San Francisco ihr letztes reguläres Konzert. Von nun an war das Studio ihre Bühne.

1967

04 Sgt. Pepper

Cover von Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band
Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band · 1967

Die Arbeit am nächsten Album begann im November 1966 und dauerte Monate – für damalige Verhältnisse eine Ewigkeit. „Strawberry Fields Forever“ und „Penny Lane“ erschienen vorab als Single und fehlen deshalb auf dem Album. Für „A Day in the Life“ ließen die Beatles ein Orchester von rund vierzig Musikern ohne Noten vom tiefsten zum höchsten Ton gleiten.

Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band erschien im Frühsommer 1967 als Album einer erfundenen Band, mit einem Cover voller Pappfiguren berühmter Menschen. Es wurde als Gesamtwerk gehört, nicht als Sammlung von Singles, und veränderte, was ein Popalbum sein konnte. Im Juni sangen die Beatles „All You Need Is Love“ in der ersten weltweiten Fernseh-Livesendung. Im August starb ihr Manager Brian Epstein.

1968–1969

05 Auseinanderdriften

1968 reisten die Beatles nach Indien zum Maharishi Mahesh Yogi und schrieben dort viele neue Songs. Zurück in London entstand das Doppelalbum The Beatles, wegen seines schlichten Covers „White Album“ genannt. Oft nahmen die vier ihre Songs jetzt einzeln auf, mit den anderen als Begleitmusikern. Die Spannungen wuchsen.

Im Januar 1969 wollten sie mit den Get-Back-Sessions zu ihren Wurzeln zurückkehren, filmten dabei aber vor allem ihre Konflikte. Am Ende stand ein spontanes Konzert auf dem Dach ihres Firmensitzes in der Londoner Savile Row – ihr letzter gemeinsamer Auftritt.

1969–1970

06 Abbey Road

Cover von Abbey Road
Abbey Road · 1969

Im Sommer 1969 kamen die Beatles noch einmal zusammen, um mit George Martin ein Album so aufzunehmen wie früher. Abbey Road enthält mit „Something“ und „Here Comes the Sun“ zwei der schönsten Songs von George Harrison. Die zweite Seite verbindet viele kurze Songfragmente zu einem langen Medley, das mit „The End“ schließt – und dem einzigen Schlagzeugsolo von Ringo Starr auf einem Beatles-Album.

Das Coverfoto entstand an einem Augustmorgen auf dem Zebrastreifen vor dem Studio und ist heute eines der meistfotografierten Motive Londons. Abbey Road war das letzte Album, das die Band gemeinsam aufnahm. Im April 1970 gab Paul McCartney bekannt, dass er die Beatles verlassen habe. Im Mai erschien noch Let It Be, mit Aufnahmen aus dem Vorjahr.

Womit anfangen?

Abbey Road: klanglich die ausgereifteste Beatles-Platte, und die zweite Seite läuft als Medley fast ohne Pause durch – wie gemacht für einen Abend am Stück. Sgt. Pepper ist das Album für alle, die hören wollen, wie Pop zur Kunstform wurde. Zur Album-Story →

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