2002Albumvorschlag
Come Away with Me
Norah Jones
Vierzehn Songs, fünfundvierzig Minuten, ein Klavier, eine Stimme und eine kleine Band, die sich zurückhält. Come Away with Me ist eine Platte, die nie lauter wird als ein Gespräch am späten Abend, und die trotzdem Millionen Menschen erreichte.
Norah Jones war Anfang zwanzig, als sie in New York in kleinen Clubs Standards und Songs von Freunden sang. Blue Note, das traditionsreiche Jazzlabel, nahm sie unter Vertrag. Bis zur fertigen Platte brauchte es drei Anläufe, zwei Produzenten und die Entscheidung, zu den ersten, schlichten Aufnahmen zurückzukehren.
- Laufzeitrund 45 Minuten
- Titel14
- Jahr2002
- AufgenommenSorcerer Sound, New York, und Allaire Studios, Shokan, New York (2000–2001)
Tracklist
- Don't Know Why3:05
- Seven Years2:24
- Cold Cold Heart3:38
- Feelin' the Same Way2:55
- Come Away with Me3:18
- Shoot the Moon3:57
- Turn Me On2:33
- Lonestar3:05
- I've Got to See You Again4:13
- Painter Song2:41
- One Flight Down3:03
- Nightingale4:11
- The Long Day Is Over2:44
- The Nearness of You3:09
Zum Cover
Ein Porträt von Norah Jones, ruhig und ohne Inszenierung. Kein Instrument, keine Requisiten, nur die Sängerin im weichen Licht, darüber ihr Name und der Titel. Das Bild passt zur Musik: nichts drängt sich vor.
Fotografiert hat Joanne Savio in New York. Sie fotografierte Jones auf Mittelformatfilm, mit wenig Licht und ohne Aufwand. Savio sagte später, es sei ihr nie um Effekte, Tricks oder seltsame Requisiten gegangen, sondern um die Frage, was ein Porträt ausmacht.
Art Direction und Gestaltung übernahm Jessica Novod, Creative Director bei Blue Note war Gordon H. Jee. Mit dem Erfolg des Albums wurde das stille Bild millionenfach gesehen.
Foto: Joanne Savio
Gestaltung: Jessica Novod (Art Direction), Gordon H. Jee (Creative Director)
Label: Blue Note Records, 2002
Abbildung als Bildzitat nach § 51 UrhG zur Erläuterung des vorstehenden Textes.
„‚Come Away With Me‘ definitely has a looking-forward, hopeful, romantic quality to it, which was age-appropriate at the time.“
In diesem Artikel
- 01Der besondere Moment
- 02Wie Come Away with Me entstand
- 03Der Klang
- 04Warum dieses Album als Ganzes funktioniert
- 05Warum es einen Abend trägt
01Der besondere Moment
Im Oktober 2000 ging Norah Jones mit dem Toningenieur Jay Newland ins Studio, um Demos für Blue Note aufzunehmen. „We went in and cut 13 songs in two days, rough mixed them, and sent them off to the record company“, erzählte Newland. Einer dieser Songs war „Don't Know Why“ von ihrem Freund Jesse Harris.
Jones hat sich erinnert, dass die Band das Lied vorher nie live gespielt hatte. Es gelang gleich beim ersten Versuch, und es fühlte sich einfach richtig an. Genau diese Aufnahme eröffnet das Album.
Das Demo bleibt
Newland war überzeugt von den Aufnahmen und spielte sie anderen Musikern vor, wo immer er arbeitete. Er behielt recht: „Don't Know Why“ und „Turn Me On“ kamen in der Demo-Fassung auf die fertige Platte. 2003 gewann „Don't Know Why“ die Grammys für die Aufnahme und den Song des Jahres.
02Wie Come Away with Me entstand
Nach den Demos nahm Jones mit dem Produzenten Craig Street in den Allaire Studios nahe Woodstock auf, mit Musikern wie Bill Frisell und Kevin Breit an der Gitarre und Brian Blade am Schlagzeug. In fünf Tagen entstanden einundzwanzig Songs. Als Vorbild nannte Jones Cassandra Wilsons New Moon Daughter, das Street produziert hatte.
Doch das Ergebnis überzeugte weder das Label noch Jones selbst. Sie mochte nicht, wie sie auf diesen Aufnahmen klang, es gab ihr zu viele Gitarren. Die Leichtigkeit der Demos war verloren gegangen.
Arif Mardin setzt es zusammen
Blue Note holte den Produzenten Arif Mardin, der mit Aretha Franklin gearbeitet hatte, und Jay Newland zurück. Im Sommer 2001 nahmen sie neun weitere Songs auf. Aus den Allaire-Sitzungen blieben „Seven Years“, „Feelin' the Same Way“ und „The Long Day Is Over“, dazu kamen die beiden Demos. Mardin und Newland arbeiteten Seite an Seite an den Aufnahmen und Mischungen.
03Der Klang
Come Away with Me klingt warm, trocken und sehr nah. Im Zentrum steht Jones' Klavier, dazu ein Kontrabass, meist von Lee Alexander, leises Schlagzeug, akustische und elektrische Gitarren, hier und da eine Orgel, eine Geige oder ein Akkordeon. Die Band spielt, als wolle sie der Stimme Platz machen. Newland erhielt dafür unter anderem den Grammy für die beste Tontechnik.
Musikalisch sitzt die Platte zwischen den Stühlen. Hank Williams' „Cold Cold Heart“ steht neben Hoagy Carmichaels „The Nearness of You“, dazu Songs von Jesse Harris, Lee Alexander und Jones selbst. Sie selbst hat gesagt, es sei kein Jazzalbum, dafür habe sie zu viel Respekt vor dem Jazz.
Genau hingehört
Pausen zwischen den Tönen
Auf einer guten Anlage fällt auf, wie viel Luft in diesen Aufnahmen ist. Im Titelsong spielt Jones nur wenige Akkorde, die Gitarre setzt einzelne Töne, und zwischen den Phrasen bleibt Stille stehen. Man hört, wie die Stimme leise ansetzt und am Ende der Zeilen fast verschwindet. Nichts davon ist künstlich aufgeblasen.
04Warum dieses Album als Ganzes funktioniert
Die Songs stammen von verschiedenen Autoren und aus verschiedenen Sitzungen, trotzdem wirkt die Platte wie aus einem Guss. Das liegt an Jones' Stimme und an Mardins Ordnung. Er war es, der „The Nearness of You“ bewusst an das Ende setzte: ein alter Standard, nur Stimme und Klavier, als Abschied.
Ein leiser Welterfolg
Das Album erschien im Februar 2002 und stieg in den USA auf Platz 139 ein, mit rund zehntausend verkauften Exemplaren in der ersten Woche. Es verkaufte sich über Monate stetig weiter und stand im Januar 2003 auf Platz eins. Bei den Grammys 2003 gewann es unter anderem als Album des Jahres. Bis 2016 wurden weltweit über 27 Millionen Exemplare verkauft.
05Warum es einen Abend trägt
Die erste Vinyl-Ausgabe erschien noch 2002 bei Classic Records, einem Label für audiophile Pressungen, auf schwerem 200-Gramm-Vinyl, geschnitten von Bernie Grundman. Sieben Songs stehen auf jeder Seite. Seite A führt von „Don't Know Why“ bis „Turn Me On“, Seite B von „Lonestar“ bis „The Nearness of You“.
Eine Platte zum Zurücklehnen
Come Away with Me verlangt nichts. Man kann zuhören oder sich unterhalten, die Musik trägt beides. Wer aber genau hinhört, entdeckt eine Sängerin, die schon mit Anfang zwanzig wusste, was sie weglassen kann. Am Ende, wenn nur noch Klavier und Stimme übrig sind, ist es im Raum sehr ruhig.
Wie leise darf eine Platte sein, damit man ihr den ganzen Abend zuhört?
Weiterhören
-
Joni Mitchell
Blue
1971
Einunddreißig Jahre früher: eine Stimme, wenige Instrumente und viel Ruhe.
Zur Album-Story → -
Carole King
Tapestry
1971
Ein Klassiker, der ebenso zeigt, wie viel Wärme in wenigen Instrumenten steckt.
Zur Album-Story → -
Amy Winehouse
Back to Black
2006
Vier Jahre später: eine andere junge Sängerin, die Jazz und Soul in den Pop holte.
Zur Album-Story →
Alle Albumvorschläge ansehen → · sortierbar nach Laufzeit, Jahrzehnt und Form
Diesen Abend anfragen
Wenn Sie dieses Album hören möchten, überspiele ich es auf Band und bringe die Anlage zu Ihnen. Sie können auch jedes andere wählen – die Liste ist ein Angebot, keine Auswahl.
Ihnen ist ein Fehler in diesem Text aufgefallen? Melden Sie es mir – ich freue mich über jeden Hinweis.