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1992Albumvorschlag

Dirt

Alice in Chains

Dreizehn Songs, achtundfünfzig Minuten, zwei Plattenseiten von fast gleicher Länge. Dirt ist schwer und laut, aber im Kern ein Album über Menschen, die sich selbst verlieren und es wissen.

Nach dem Erfolg von Facelift tourten Alice in Chains 1991 mit Thrash-Metal-Bands und als Vorgruppe von Van Halen. Die neuen Songs entstanden größtenteils unterwegs und wurden deutlich dunkler. Im Frühjahr 1992 nahm die Band sie mit Produzent Dave Jerden in Los Angeles auf. Es sollte das letzte Album in der Originalbesetzung werden.

  • Laufzeitrund 58 Minuten
  • Titel13
  • Jahr1992
  • AufgenommenEldorado Recording Studios, Burbank, One on One Studios, Los Angeles, und London Bridge Studio, Seattle (April–Juli 1992)
Das Albumcover von Dirt: eine Frau, halb eingegraben in rissige, ausgetrocknete Erde in rötlichem Licht.
Alice in Chains, Dirt, Columbia 1992. Foto Rocky Schenck. Abbildung eingebunden von der Cover Art Archive.

Tracklist

  1. Them Bones2:30
  2. Dam That River3:09
  3. Rain When I Die6:02
  4. Down in a Hole5:37
  5. Sickman5:31
  6. Rooster6:15
  7. Junkhead5:09
  8. Dirt5:17
  9. God Smack3:51
  10. Iron Gland0:43
  11. Hate to Feel5:17
  12. Angry Chair4:48
  13. Would?3:27

Zum Cover

Eine nackte Frau liegt halb eingegraben in trockener, rissiger Erde. Das Licht ist rötlich, der Boden wirkt wie eine Wüste nach langer Dürre. Ob die Frau lebt oder tot ist, lässt das Bild offen. Das war gewollt.

Fotografiert hat Rocky Schenck, die Art Direction lag bei Mary Maurer, die Gestaltung bei Doug Erb. Die Idee kam von der Band. Aufgenommen wurde am 14. Juni 1992 in Schencks Studio in Hollywood, Schlagzeuger Sean Kinney war dabei. Schenck wollte eine, wie er sagte, höllische Atmosphäre. Das Model war die Schauspielerin Mariah O'Brien. Lange hielten Fans sie für Layne Staleys damalige Freundin; Schenck hat das 2011 richtiggestellt.

Staley deutete das Bild später als eine Art Rache. Der Titelsong richte sich an einen Menschen, der ihn verletzt habe, und auf dem Cover versinke nun dieser Mensch in der Erde statt er selbst.

Foto: Rocky Schenck
Gestaltung: Mary Maurer (Art Direction), Doug Erb (Design)
Label: Columbia, 1992
Abbildung als Bildzitat nach § 51 UrhG zur Erläuterung des vorstehenden Textes.

„With Dirt, it's not like we were saying 'Oh yeah, this is a good thing.' It was more of a warning than anything else.“

Jerry Cantrell Über die Haltung des Albums

In diesem Artikel

  1. 01Der besondere Moment
  2. 02Wie Dirt entstand
  3. 03Der Klang
  4. 04Warum dieses Album als Ganzes funktioniert
  5. 05Warum es einen Abend trägt

01Der besondere Moment

Am ersten Aufnahmetag begannen in Los Angeles die Unruhen, ausgelöst durch den Freispruch der Polizisten im Fall Rodney King. An konzentriertes Arbeiten im Studio war nicht zu denken. Die Band verließ die Stadt und fuhr in die Wüste bei Joshua Tree, zusammen mit Tom Araya, dem Sänger von Slayer.

Vier oder fünf Tage blieben sie dort, bis sich die Lage beruhigt hatte. Dann kehrten sie ins Studio zurück und machten weiter.

Ein Gast aus der Wüste

Araya hinterließ auch auf der Platte eine Spur, in ihrem kürzesten Stück. Jerry Cantrell hatte ein Riff, das den anderen auf die Nerven ging. Er machte daraus ein Stück von dreiundvierzig Sekunden, mit einem Seitenblick auf Black Sabbath, und versprach, das Riff danach nie wieder zu spielen. Tom Araya singt darauf mit Staley. Auf der Platte steht das Stück ohne Titel, bekannt ist es als „Iron Gland“.

02Wie Dirt entstand

Die Songs kamen aus verschiedenen Richtungen. „Would?“ hatte die Band schon vorher in Seattle mit Rick Parashar für den Soundtrack des Films Singles aufgenommen. Cantrell schrieb es für Andrew Wood, den Sänger von Mother Love Bone, der 1990 gestorben war. „Rooster“ entstand 1991 auf dem Sofa von Chris Cornell, bei dem Cantrell nach einem Streit mit Kinney untergekommen war. Er schrieb es für seinen Vater, einen Veteranen des Vietnamkriegs. Staley schrieb „Hate to Feel“ und „Angry Chair“ allein und spielte darauf selbst Gitarre.

Musik als Ventil

Über dem Album liegt die Abhängigkeit. Staley war während der Aufnahmen heroinabhängig, auch andere in der Band hatten mit Sucht zu kämpfen. Jerden hat später gesagt, seine Aufgabe sei gewesen, eine Platte zu produzieren, nicht, Staleys Freund zu sein. Cantrell beschrieb die Musik als Ort, an dem die Band das Gift des Tages loswird: „We deal with our daily demons through music.“

03Der Klang

Jerden baute die Rhythmusgitarren aus mehreren Schichten: sechs Spuren, drei links, drei rechts, jede über einen anderen Verstärker, der für einen eigenen Frequenzbereich zuständig war, für Bässe, Mitten oder Höhen. Er komprimierte die Gitarren und nahm sie ohne Klangregelung auf. Cantrell spielte fast alles auf seiner weißen G&L Rampage. So entsteht eine Wand, die schwer ist, aber nicht matschig.

Das zweite Kennzeichen sind die Stimmen. Staley und Cantrell singen oft gemeinsam, in engen, schiefen Harmonien, die eher reiben als glänzen.

Genau hingehört

Zwei Stimmen wie eine

Hören Sie in „Down in a Hole“ auf die beiden Stimmen. Cantrell singt hier gleichberechtigt mit Staley, und die zwei Linien liegen so nah beieinander, dass sie wie eine einzige, doppelte Stimme klingen. Auf einer guten Anlage lassen sie sich trotzdem auseinanderhalten: die hellere, klarere von Cantrell und die dunklere, gepresste von Staley.

04Warum dieses Album als Ganzes funktioniert

Staley hat Dirt als halbes Konzeptalbum beschrieben. Ein Strang erzähle von jemandem, der Schmerz mit Drogen betäuben will, erst davon überzeugt ist und dann erkennt, dass es kein Ausweg ist. Der andere handle von schmerzhaften Beziehungen. Cantrell sagte, die Songs von „Junkhead“ bis „Angry Chair“ stünden aus gutem Grund hintereinander auf der zweiten Seite: „Because it tells a story.“

Kein Loblied

Auf der ersten Seite geht es um anderes: um Sterblichkeit in „Them Bones“, um einen Streit in „Dam That River“, um den Krieg in „Rooster“. Das Album machte die Band weltbekannt. In den USA erreichte es Platz sechs und wurde fünffach mit Platin ausgezeichnet. Staley sagte später, er habe nie gewollt, dass Fans Heroin für etwas Gutes halten. Er starb 2002 mit 34 Jahren. Bassist Mike Starr, der die Band schon Anfang 1993 verlassen hatte, starb 2011.

05Warum es einen Abend trägt

Die beiden Seiten der Original-LP sind fast gleich lang, rund neunundzwanzig und achtundzwanzig Minuten. Seite A beginnt mit dem harten Einstieg von „Them Bones“ und endet mit „Rooster“, einem Song, der langsam anschwillt und nachklingt. Beim Umdrehen hat man Zeit, das sacken zu lassen.

Nach „Would?“

Seite B ist die Geschichte, von der Cantrell sprach: sechs Stücke, die immer tiefer führen. Danach kommt „Would?“, mit dem markanten Bass von Mike Starr am Anfang, und öffnet den Blick noch einmal nach außen. Es ist kein tröstliches Ende, aber ein ehrliches. Nach der letzten Note bleibt es im Raum oft eine Weile still.

Wie hört man ein Album, das eine Warnung sein wollte und keine Verführung?

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