Künstlerporträt
Alice in Chains
Eine Band aus Seattle mit schweren Riffs und zweistimmigem Gesang, die aus Schmerz eine eigentümliche, dunkle Schönheit machte.
Alice in Chains gehörten zu den großen Bands aus Seattle, die Anfang der Neunziger die Rockmusik veränderten. Sie waren härter als viele ihrer Nachbarn, näher am Metal, doch ihr Markenzeichen war der Gesang: Layne Staley und Gitarrist Jerry Cantrell sangen in eng verschlungenen, oft unheimlich klingenden Harmonien. Ihre Songs handeln von Verlust, Krieg und Abhängigkeit und bleiben dabei überraschend melodisch. Auch nach dem Tod ihres Sängers fand die Band einen Weg weiterzumachen.
In diesem Porträt
1987–1990
01 Seattle
Die Band entstand 1987 in Seattle. Jerry Cantrell spielte Gitarre, Layne Staley sang, Mike Starr spielte Bass und Sean Kinney Schlagzeug. Sie probten, spielten in den Clubs der Stadt und fielen schnell durch ihren schweren, langsamen Sound auf.
1990 erschien das Debüt Facelift. Der Song „Man in the Box“ lief oft auf MTV und machte Alice in Chains bekannt, noch bevor der große Boom um Seattle einsetzte.
1991–1992
02 Leise Seite
Anfang 1992 zeigte die Band mit der EP Sap eine ganz andere Seite: fünf überwiegend akustische Songs, ruhig und mehrstimmig. Im selben Jahr war „Would?“ im Film Singles zu hören, der in der Musikszene von Seattle spielt.
Mit Nirvana, Pearl Jam und Soundgarden standen Alice in Chains nun für eine neue Rockgeneration, die schnell unter dem Namen Grunge zusammengefasst wurde. Die Band selbst mochte das Etikett nie besonders.
1992
03 Dirt
Dirt entstand zwischen April und Juli 1992 in Studios in Burbank, Los Angeles und Seattle mit dem Produzenten Dave Jerden. „Rooster“ schrieb Jerry Cantrell über seinen Vater, der in Vietnam gekämpft hatte – ein Lied über Krieg und die Versöhnung zwischen Vater und Sohn. „Would?“ ist eine Erinnerung an Andrew Wood, den früh verstorbenen Sänger der Seattler Band Mother Love Bone.
Das Album erschien am 29. September 1992 und kam in den USA auf Platz sechs. „Them Bones“, „Angry Chair“, „Rooster“ und „Down in a Hole“ wurden Singles. Dirt ist düster und schwer, getragen von Cantrells Riffs und dem Zusammenklang der beiden Stimmen, und wurde das erfolgreichste Album der Band.
1993–1996
04 Unplugged
1993 übernahm Mike Inez den Bass. Die akustische EP Jar of Flies stieg im Januar 1994 als erste EP überhaupt auf Platz eins der amerikanischen Albumcharts ein. 1995 folgte das Album Alice in Chains, das ebenfalls die Spitze erreichte.
Am 10. April 1996 spielte die Band ein Konzert für die Reihe MTV Unplugged, eines ihrer seltenen Konzerte in dieser Zeit. Danach wurde es still um Alice in Chains. Layne Staley starb 2002, mit 34 Jahren.
2005–2018
05 Neuanfang
2005 spielten Cantrell, Kinney und Inez erstmals wieder gemeinsam, bei einem Benefizkonzert. 2006 kam William DuVall als Sänger und Gitarrist dazu.
Black Gives Way to Blue erschien 2009; im Titelstück, einem Abschied von Staley, spielt Elton John Klavier. Es folgten The Devil Put Dinosaurs Here 2013 und Rainier Fog 2018, benannt nach dem Berg, der über Seattle aufragt.
2018–heute
06 Was bleibt
Alice in Chains haben gezeigt, wie viel Melodie in schwerer Musik stecken kann. Ihr zweistimmiger Gesang wurde zu einem Vorbild für viele Rockbands der folgenden Jahrzehnte.
Dass die Band nach ihrem großen Verlust einen zweiten Anfang fand, ist in der Rockgeschichte selten. Ihre frühen Alben, allen voran Dirt, gehören zu den prägenden Platten der Neunziger.
Hörtipp
Dirt ist ein Album für einen konzentrierten Abend mit Rockfans, die sich auf eine dunkle, aber packende Stunde einlassen wollen – laut, ohne Ablenkung, am besten am Stück. Zur Album-Story →
Das Album bei Musik Ungestört
Weiterhören
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Pearl Jam
Ten
1991rund 51 Minuten
Pearl Jam entstand aus Mother Love Bone, deren Sänger Andrew Wood Jerry Cantrell mit „Would?“ ein Denkmal setzte.
Zur Album-Story → -
Soundgarden
Superunknown
1994rund 74 Minuten
Soundgarden und Alice in Chains kamen aus derselben Szene in Seattle und waren beide 1992 auf dem Soundtrack des Films Singles vertreten.
Zur Album-Story →
Alice in Chains gemeinsam hören
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