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Künstlerporträt

Alice in Chains

Eine Band aus Seattle mit schweren Riffs und zweistimmigem Gesang, die aus Schmerz eine eigentümliche, dunkle Schönheit machte.

Alice in Chains gehörten zu den großen Bands aus Seattle, die Anfang der Neunziger die Rockmusik veränderten. Sie waren härter als viele ihrer Nachbarn, näher am Metal, doch ihr Markenzeichen war der Gesang: Layne Staley und Gitarrist Jerry Cantrell sangen in eng verschlungenen, oft unheimlich klingenden Harmonien. Ihre Songs handeln von Verlust, Krieg und Abhängigkeit und bleiben dabei überraschend melodisch. Auch nach dem Tod ihres Sängers fand die Band einen Weg weiterzumachen.

In diesem Porträt

  1. 01Seattle 1987–1990
  2. 02Leise Seite 1991–1992
  3. 03Dirt 1992
  4. 04Unplugged 1993–1996
  5. 05Neuanfang 2005–2018
  6. 06Was bleibt 2018–heute

1987–1990

01 Seattle

Die Band entstand 1987 in Seattle. Jerry Cantrell spielte Gitarre, Layne Staley sang, Mike Starr spielte Bass und Sean Kinney Schlagzeug. Sie probten, spielten in den Clubs der Stadt und fielen schnell durch ihren schweren, langsamen Sound auf.

1990 erschien das Debüt Facelift. Der Song „Man in the Box“ lief oft auf MTV und machte Alice in Chains bekannt, noch bevor der große Boom um Seattle einsetzte.

1991–1992

02 Leise Seite

Anfang 1992 zeigte die Band mit der EP Sap eine ganz andere Seite: fünf überwiegend akustische Songs, ruhig und mehrstimmig. Im selben Jahr war „Would?“ im Film Singles zu hören, der in der Musikszene von Seattle spielt.

Mit Nirvana, Pearl Jam und Soundgarden standen Alice in Chains nun für eine neue Rockgeneration, die schnell unter dem Namen Grunge zusammengefasst wurde. Die Band selbst mochte das Etikett nie besonders.

1992

03 Dirt

Cover von Dirt
Dirt · 1992

Dirt entstand zwischen April und Juli 1992 in Studios in Burbank, Los Angeles und Seattle mit dem Produzenten Dave Jerden. „Rooster“ schrieb Jerry Cantrell über seinen Vater, der in Vietnam gekämpft hatte – ein Lied über Krieg und die Versöhnung zwischen Vater und Sohn. „Would?“ ist eine Erinnerung an Andrew Wood, den früh verstorbenen Sänger der Seattler Band Mother Love Bone.

Das Album erschien am 29. September 1992 und kam in den USA auf Platz sechs. „Them Bones“, „Angry Chair“, „Rooster“ und „Down in a Hole“ wurden Singles. Dirt ist düster und schwer, getragen von Cantrells Riffs und dem Zusammenklang der beiden Stimmen, und wurde das erfolgreichste Album der Band.

1993–1996

04 Unplugged

1993 übernahm Mike Inez den Bass. Die akustische EP Jar of Flies stieg im Januar 1994 als erste EP überhaupt auf Platz eins der amerikanischen Albumcharts ein. 1995 folgte das Album Alice in Chains, das ebenfalls die Spitze erreichte.

Am 10. April 1996 spielte die Band ein Konzert für die Reihe MTV Unplugged, eines ihrer seltenen Konzerte in dieser Zeit. Danach wurde es still um Alice in Chains. Layne Staley starb 2002, mit 34 Jahren.

2005–2018

05 Neuanfang

2005 spielten Cantrell, Kinney und Inez erstmals wieder gemeinsam, bei einem Benefizkonzert. 2006 kam William DuVall als Sänger und Gitarrist dazu.

Black Gives Way to Blue erschien 2009; im Titelstück, einem Abschied von Staley, spielt Elton John Klavier. Es folgten The Devil Put Dinosaurs Here 2013 und Rainier Fog 2018, benannt nach dem Berg, der über Seattle aufragt.

2018–heute

06 Was bleibt

Alice in Chains haben gezeigt, wie viel Melodie in schwerer Musik stecken kann. Ihr zweistimmiger Gesang wurde zu einem Vorbild für viele Rockbands der folgenden Jahrzehnte.

Dass die Band nach ihrem großen Verlust einen zweiten Anfang fand, ist in der Rockgeschichte selten. Ihre frühen Alben, allen voran Dirt, gehören zu den prägenden Platten der Neunziger.

Hörtipp

Dirt ist ein Album für einen konzentrierten Abend mit Rockfans, die sich auf eine dunkle, aber packende Stunde einlassen wollen – laut, ohne Ablenkung, am besten am Stück. Zur Album-Story →

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