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2008Albumvorschlag

Fleet Foxes

Fleet Foxes

Elf Songs, neununddreißig Minuten, kaum ein Refrain. Auf ihrem Debüt singen Fleet Foxes fast immer zusammen, in drei- und vierstimmigen Sätzen, als stünden sie in einer Holzkirche irgendwo im Nordwesten der USA.

Fleet Foxes gründeten sich 2006 in Seattle, um den Sänger und Songschreiber Robin Pecknold und seinen Schulfreund Skyler Skjelset. Ein Jahr lang nahmen sie ihr erstes Album auf, selbst finanziert, zwischen den Schichten in ihren Jobs. Als es im Juni 2008 erschien, war die Band innerhalb weniger Monate von völlig unbekannt zu einer der meistbeachteten Gruppen des Jahres geworden.

  • Laufzeitrund 39 Minuten
  • Titel11
  • Jahr2008
  • AufgenommenAvast! Recording und London Bridge Studio, Seattle, sowie Elternhäuser und Wohnungen der Band (Sommer–Herbst 2007)
Das Albumcover von Fleet Foxes: das Gemälde „Die niederländischen Sprichwörter“ von Pieter Bruegel dem Älteren, ein Dorf voller Menschen, die Redensarten wörtlich darstellen.
Fleet Foxes, Fleet Foxes, Sub Pop/Bella Union 2008. Gemälde Pieter Bruegel d. Ä., Gestaltung Dusty Summers, Robin Pecknold und Sasha Barr. Abbildung eingebunden von der Cover Art Archive.

Tracklist

  1. Sun It Rises3:14
  2. White Winter Hymnal2:27
  3. Ragged Wood5:07
  4. Tiger Mountain Peasant Song3:28
  5. Quiet Houses3:32
  6. He Doesn't Know Why3:20
  7. Heard Them Stirring3:02
  8. Your Protector4:09
  9. Meadowlarks3:11
  10. Blue Ridge Mountains4:25
  11. Oliver James3:23

Zum Cover

Auf dem Cover ist kein Foto der Band, sondern ein Gemälde von 1559: „Die niederländischen Sprichwörter“ von Pieter Bruegel dem Älteren. Ein Dorf an einem Fluss, dicht bevölkert mit Menschen, die mehr als hundert Redensarten wörtlich vorführen. Im Zentrum des Gemäldes hängt eine Frau in Rot ihrem Mann einen blauen Mantel um, ein altes Bild für Untreue. Deshalb hieß das Bild früher auch „Der blaue Mantel“.

Pecknold stieß in einem Buch auf das Gemälde. Ihn reizte der Widerspruch: Auf den ersten Blick wirke es ländlich und friedlich, beim genauen Hinsehen passierten lauter seltsame Dinge. „When you first see that painting it's very bucolic, but when you look closer there's all this really strange stuff going on“, sagte er 2008. Das Museum in Berlin, die Gemäldegalerie, habe sofort zugestimmt und sich gefreut, dass eine Band das Bild verwenden wollte.

Genau so funktionieren auch die Songs: hell und harmonisch an der Oberfläche, darunter Angst, Einsamkeit, Abschied. Die Innenhülle ziert ein Paisleymuster, abgepaust aus einem alten Buch. 2008 erhielt das Cover den britischen Best Art Vinyl Award.

Illustration: Pieter Bruegel der Ältere, „Die niederländischen Sprichwörter“ (1559)
Gestaltung: Dusty Summers, Robin Pecknold, Sasha Barr
Label: Sub Pop (USA), Bella Union (Europa), 2008
Abbildung als Bildzitat nach § 51 UrhG zur Erläuterung des vorstehenden Textes.

„I wanted it to be pop instrumentation, but with very few choruses and very few traditional structures.“

Robin Pecknold Über die Idee hinter dem Debüt

In diesem Artikel

  1. 01Der besondere Moment
  2. 02Wie Fleet Foxes entstand
  3. 03Der Klang
  4. 04Warum dieses Album als Ganzes funktioniert
  5. 05Warum es einen Abend trägt

01Der besondere Moment

Das Album entstand nicht in einem Block, sondern in Stücken. Die Bandmitglieder nahmen ihre Parts zwischen den Schichten in ihren Jobs auf, im Keller von Pecknolds Eltern, bei Keyboarder Casey Wescott zu Hause, in zwei Studios in Seattle. Die Gitarrenverstärker stellten sie zum Teil in Tipis, weil es ihnen gefiel. Bezahlt haben sie das alles selbst.

Pecknold hat die Arbeit als ununterbrochen und erschöpfend beschrieben. Die Platte wurde mehrfach umgebaut, einmal komplett neu. Noch bis zur Abmischung schrieb er neue Teile und änderte die Reihenfolge. Die letzten Gesangsaufnahmen machte er in der Nacht vor dem letzten Mischtag.

Hoffen auf das Scheitern

Als nach ersten Konzerten mehrere Labels um die Band warben, unterschrieb sie im Januar 2008 beim Seattler Label Sub Pop. Pecknold vertraute dem Label an, er hoffe, das Album werde floppen, damit die Band schnell an der nächsten Platte arbeiten könne. Es kam anders.

02Wie Fleet Foxes entstand

Pecknold wuchs in Kirkland bei Seattle auf. Skjelset lernte er in der Highschool kennen, beide verband die Musik und die norwegische Herkunft ihrer Familien. Pecknold brach die Schule ab, holte den Abschluss am College nach und arbeitete in Restaurants, wo er andere Musiker traf. Die Band hatte schon viele Songs verworfen: „Every six months or so we'd have an album's worth of songs that we discarded“, sagte er. Als das Album entstand, waren fast alle Songs neu.

Produziert hat Phil Ek, ein erfahrener Tontechniker aus dem Nordwesten der USA, der schon das erste Demo der Band aufgenommen hatte und ihr Ausrüstung lieh. Ein Demo von „White Winter Hymnal“ überzeugte Simon Raymonde von Bella Union so sehr, dass er die Band für Europa unter Vertrag nahm.

Erst die EP, dann das Album

Nach dem Album nahm die Band in acht Tagen noch die Sun Giant-EP auf. Sie erschien zuerst, eigentlich nur für den Verkauf bei Konzerten, und machte die Band bekannt. Das Album folgte im Juni 2008. Die erste Vinyl-Ausgabe enthielt die EP als Beigabe.

03Der Klang

Im Zentrum steht der Gesang. Pecknold wollte einfache drei- und vierstimmige Blocksätze, die einen Song so bereichern wie Streicher ein klassisches Stück. Leadgesang gibt es außer in den Solosongs kaum: „A lot of it is just harmonies.“ Dazu Gitarren, Mandolinen, Banjos und, wie Pecknold es nannte, andere kleine Instrumente, die die melodischen Lücken füllen.

Die Einflüsse reichen von Bob Dylan und Brian Wilson über Crosby, Stills, Nash & Young bis zur alten amerikanischen Sacred-Harp-Tradition des mehrstimmigen Gemeindegesangs. Dazu kommt viel Hall, der die Stimmen in einen großen Raum stellt, obwohl vieles in Wohnungen und Kellern aufgenommen wurde.

Genau hingehört

Ein Song, zwei Hälften

Hören Sie bei „Ragged Wood“ auf die Mitte. Der Song beginnt als treibender Folkrock mit einem Rhythmus wie von einem fahrenden Zug. Dann bricht er um, und der zweite Teil hat mit dem ersten kaum noch etwas zu tun. Der Anfang kehrt nicht zurück. Das ist die Idee dieser Platte im Kleinen: Popmusik ohne Popstruktur, Songs, die nicht zum Refrain zurückführen, sondern weitergehen.

04Warum dieses Album als Ganzes funktioniert

Pecknold schrieb keine Liebeslieder. Die Songs handeln von Freunden und Familie, von Geschichte und Natur, von dem, was ihn im pazifischen Nordwesten umgab. „White Winter Hymnal“ geht auf Freunde zurück, die ihn in der Schulzeit fallen ließen. „Blue Ridge Mountains“ hieß zuerst nach seinem Großvater. Pecknold schrieb daran in einer Blockhütte, die der Großvater in Plain im Bundesstaat Washington gebaut hatte, angeregt von einem Zeltausflug mit seinen Geschwistern.

So entsteht ein Album, das wie eine zusammenhängende Landschaft wirkt: Wälder, Berge, Winter, Morgen und Abend. Die elf Songs sind kurz, keiner dauert länger als gut fünf Minuten, und doch fühlt sich das Ganze weit an.

Aus dem Nichts

In Großbritannien kam das Album auf Platz 3, in den USA stieg es auf Platz 83 ein. Pitchfork, Mojo und Billboard.com wählten es zum Album des Jahres 2008, Mojo verlieh ihm den selten vergebenen Titel „Instant Classic“. In den USA und in Großbritannien wurde es mit Platin ausgezeichnet. Pecknold kommentierte den Erfolg knapp: „Disbelief is the only sane reaction.“

05Warum es einen Abend trägt

Auf der Original-LP stehen sechs Songs auf der ersten Seite, fünf auf der zweiten. Seite A beginnt mit „Sun It Rises“ und endet mit „He Doesn't Know Why“, einem Song über jemanden, der ohne Ziel von Ort zu Ort zieht. Seite B führt über „Your Protector“, auf dem eine Flöte zu hören ist, und „Blue Ridge Mountains“ bis zu „Oliver James“.

Ein Bild zum Hineinsehen

Wie beim Gemälde auf dem Cover lohnt es sich, nicht beim ersten Eindruck zu bleiben. Beim ersten Hören klingt die Platte freundlich und hell. Beim zweiten, dritten Mal treten Einzelheiten hervor: eine Gegenstimme, ein Mandolinenlauf, eine Zeile, die dunkler ist, als die Melodie vermuten lässt. Neununddreißig Minuten reichen gut für einen Abend, an dem man genau hinhören will.

Was entdeckt man, wenn man ein Bild so lange ansieht, bis es sich bewegt?

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