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1998Albumvorschlag

Moon Safari

Air

Zehn Songs, vierundvierzig Minuten, ein Achtspurgerät. Moon Safari klingt nach Zukunft, wie man sie sich in den Siebzigern vorgestellt hat, und wurde doch 1997 in einem kleinen Studio bei Paris aufgenommen.

Nicolas Godin und Jean-Benoît Dunckel kannten sich aus der Studienzeit in Versailles, der eine studierte Architektur, der andere Mathematik. Als Air nahmen sie ihr erstes Album fast ohne Geld auf, mit gebrauchten Instrumenten und einem digitalen Achtspurgerät. Es erschien im Januar 1998 und machte die beiden weltweit bekannt.

  • Laufzeitrund 44 Minuten
  • Titel10
  • Jahr1998
  • AufgenommenStudio Around the Golf bei Paris, Studio Gang, Paris, und Abbey Road Studios, London (1997)
Das Albumcover von Moon Safari: zwei gezeichnete Figuren im Stil eines alten Malbuchs, die für die beiden Musiker stehen, dazu der Schriftzug Air in einer Retro-Schrift.
Air, Moon Safari, Source 1998. Gestaltung Mike Mills. Abbildung eingebunden von der Cover Art Archive.

Tracklist

  1. La Femme d'argent7:08
  2. Sexy Boy4:57
  3. All I Need4:28
  4. Kelly Watch the Stars3:44
  5. Talisman4:16
  6. Remember2:34
  7. You Make It Easy4:00
  8. Ce matin là3:38
  9. New Star in the Sky (Chanson pour Solal)5:38
  10. Le Voyage de Pénélope3:10

Zum Cover

Auf dem Cover sind zwei gezeichnete Figuren zu sehen, die für die beiden Musiker stehen. Sie wirken wie aus einem alten Malbuch, die Farben sind weich und wie mit Wasserfarbe aufgetragen. Darüber steht der Name der Band in einer eigens veränderten Retro-Schrift, daneben klein und senkrecht der Zusatz „French Band“. Die übrigen Texte sind in Eurostile gesetzt, einer Schrift, die nach Raumfahrt und Siebzigern aussieht.

Gestaltet hat das Cover der Amerikaner Mike Mills, Grafiker und Videoregisseur, der später auch Spielfilme drehte. Auf der Rückseite ist ein Fahrzeug abgebildet, halb VW-Bus, halb Raumfähre. Zehn Jahre später drehte Mills auch einen Dokumentarfilm über die Band, der der Jubiläumsausgabe beilag.

Das Bild trifft den Ton der Musik genau: verspielt, ein wenig naiv, freundlich zur Vergangenheit und mit einem Blick in den Himmel. Eine Mondsafari im Kinderzimmer.

Gestaltung: Mike Mills
Label: Source / Virgin, 1998
Abbildung als Bildzitat nach § 51 UrhG zur Erläuterung des vorstehenden Textes.

„We had no money at this time, so we bought the most affordable instruments available: analogue synths from the '70s.“

Nicolas Godin Über die Instrumente von Moon Safari

In diesem Artikel

  1. 01Der besondere Moment
  2. 02Wie Moon Safari entstand
  3. 03Der Klang
  4. 04Warum dieses Album als Ganzes funktioniert
  5. 05Warum es einen Abend trägt

01Der besondere Moment

Wie aus einer Idee ein Song wird, hat Nicolas Godin am Beispiel des bekanntesten Stücks erzählt: „One day I played a riff to Jean-Benoît and he said ‚sexy boy‘ – that was how we got the song.“ Mehr brauchte es nicht. „Sexy Boy“ wurde die erste große Single, mit einer Stimme, die durch einen Vocoder läuft und dadurch halb menschlich, halb maschinell klingt.

Diese Leichtigkeit prägt das ganze Album. Die Songs wirken nicht erarbeitet, sondern gefunden, wie Einfälle unter Freunden, die man dann sehr sorgfältig ausführt.

Eine Stimme aus der Nachbarschaft

Die amerikanische Sängerin Beth Hirsch lernte Godin in der Nähe seiner Wohnung in Paris kennen. Sie singt auf „All I Need“ und „You Make It Easy“ und schrieb die Texte mit. Godin hat den Klang dieser beiden Stücke einmal als „space-age Carpenters“ beschrieben: die Carpenters aus dem Raumfahrtzeitalter. Gerade diese warmen, ruhigen Lieder machten das Album über die Clubszene hinaus bekannt.

02Wie Moon Safari entstand

Die Ideen entstanden in Wohnungen und Häusern, aufgenommen wurde dann über mehrere Monate in einem kleinen Studio am Stadtrand von Paris, auf den Plattenhüllen als Studio Around the Golf genannt. Als Aufnahmegerät diente ein Fostex D-80, ein digitales Achtspurgerät. Die Beschränkung war gewollt: Mit nur acht Spuren konnte man sich nicht verzetteln.

Weitere Aufnahmen folgten im Studio Gang in Paris. Für die Streicher gingen Air nach London in die Abbey Road Studios, wo der Arrangeur David Whitaker die Aufnahmen leitete. Gemischt wurde in einem großen Pariser Studio.

Alles gespielt

Viele hielten Moon Safari für eine Sample-Platte. Dunckel hat das deutlich zurückgewiesen: „People thought there were a lot of samples on the album which is totally wrong. There are no samples; it's all played live.“ Gespielt wurde auf einem Fender Rhodes, einem Minimoog, einem Korg MS-20, einer Solina-Streichermaschine, einem kleinen Casio-Keyboard und zwei Vocodern. Dazu kam ein gebrauchter Hofner-Bass aus den Sechzigern.

03Der Klang

Air schlossen ihre Keyboards gern an Effektgeräte an, die eigentlich für Gitarren gebaut sind. „If I want a flanged sound, I put a guitar box into the inserts on the mixer and I can control it manually“, erklärte Godin 1998. So klingt die Orgel in „La Femme d'argent“ leicht verzerrt, der MS-20 schwebt durch einen Flanger. Alles ist warm, weich und etwas unscharf an den Rändern, wie ein altes Farbfoto.

Beim Mischen ging es darum, wegzunehmen statt hinzuzufügen. „In the mix we get rid of some thoughts more than we invent something. We make it more clear“, sagte Godin dem Magazin Tape Op.

Genau hingehört

Ein trockener Bass

Achten Sie im ersten Stück, „La Femme d'argent“, auf den Bass. Godin spielte ihn auf dem alten Hofner und schickte ihn durch einen Gitarrenverstärker. Er klingt dadurch nicht tief und wummernd, sondern hell, trocken und melodisch, fast wie eine zweite Stimme. Auf einer guten Anlage hört man, wie er sieben Minuten lang das ganze Stück trägt, während Orgel und Synthesizer darüber schweben.

04Warum dieses Album als Ganzes funktioniert

Moon Safari wechselt zwischen Instrumentalstücken und Liedern, ohne dass es wie ein Bruch wirkt. Die Instrumente bleiben dieselben, die Stimmung auch: ein ruhiger Blick nach oben. „New Star in the Sky“ entstand, weil Dunckel Astrophysik studiert hatte: „I'd studied astrophysics and was into stars, planets and Einstein's theory of relativity“, sagte er. Auch „Kelly Watch the Stars“ schaut in den Himmel. Das Album hält dieses Bild von Anfang bis Ende.

Erfolg von außen

In Frankreich kam Moon Safari nur auf Platz 21 der Charts, in Großbritannien auf Platz 6. Die Magazine The Face und Select wählten es zum Album des Jahres. Weltweit wurden rund zwei Millionen Exemplare verkauft, davon nur etwa 100.000 in Frankreich. Rolling Stone zählte es zu den hundert besten Alben der Neunziger.

05Warum es einen Abend trägt

Seite A ist die bekanntere: vier Stücke, von „La Femme d'argent“ über „Sexy Boy“ und „All I Need“ bis „Kelly Watch the Stars“, rund zwanzig Minuten. Seite B hat sechs kürzere Stücke und ist stiller, verträumter. Mit „Le Voyage de Pénélope“ endet das Album instrumental und fast beiläufig.

Die Zukunft von gestern

Godin hat Airs Musik als Mischung aus Vergangenheit und Zukunft beschrieben: Man behalte das Gute von früher und wolle trotzdem weiter. An einem Hörabend wird genau das spürbar. Die Instrumente sind fünfzig Jahre alt, die Aufnahme fast dreißig, und trotzdem klingt nichts davon verstaubt. Man lehnt sich zurück und fährt ein Stück mit.

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