Künstlerporträt
Air
Zwei Tüftler aus Versailles, die alte Synthesizer, sanfte Melodien und französische Eleganz zu einem schwebenden, zeitlosen Pop verbinden.
Air, das sind Nicolas Godin und Jean-Benoît Dunckel. Ende der Neunziger, als elektronische Musik aus Frankreich plötzlich überall zu hören war, gingen sie einen eigenen, ruhigeren Weg. Statt Clubmusik machten sie Lieder, die nach Raumfahrt-Träumen der Siebziger klingen: Moog, Vocoder, Fender Rhodes, dazu Streicher und Melodien, die man nicht mehr vergisst. Ihr Debüt Moon Safari wurde 1998 ein weltweiter Erfolg und prägt bis heute die Vorstellung davon, wie entspannte elektronische Musik klingen kann.
In diesem Porträt
1995–1997
01 Versailles
Nicolas Godin studierte Architektur, Jean-Benoît Dunckel Mathematik. Beide stammen aus Versailles bei Paris und hatten schon zuvor gemeinsam in einer Band namens Orange gespielt. 1995 gründeten sie Air – französisch für „Luft“.
Erste Stücke erschienen auf kleinen Labels und Compilations, 1997 folgte die EP Premiers Symptômes. In ihr steckte bereits der Stil, der sie bekannt machen sollte: langsame Grooves, warme Keyboards, viel Raum zwischen den Tönen.
1997–1998
02 Moon Safari
Moon Safari entstand zwischen April und Juni 1997 in Pariser Studios, die Streicher wurden in den Abbey Road Studios in London aufgenommen. Godin und Dunckel spielten fast alles selbst, auf Analogsynthesizern, Orgeln und Bass. Die Amerikanerin Beth Hirsch sang „All I Need“ und „You Make It Easy“, bei „Remember“ wirkte der Elektronikpionier Jean-Jacques Perrey mit.
Das Album erschien am 16. Januar 1998. „Sexy Boy“ mit seiner Vocoder-Stimme, „Kelly Watch the Stars“ und „All I Need“ wurden Singles, in Großbritannien kam Moon Safari auf Platz sechs. Die Platte lief in Cafés, Werbespots und Wohnzimmern auf der ganzen Welt und wurde zum Inbegriff einer neuen, gelassenen Popmusik aus Frankreich.
1999–2001
03 Film und Legende
Sofia Coppola bat die beiden, die Musik zu ihrem ersten Spielfilm The Virgin Suicides zu schreiben. Der Soundtrack erschien 2000; auf dem Lied „Playground Love“ singt Thomas Mars von der befreundeten Band Phoenix unter einem Pseudonym.
Mit 10 000 Hz Legend wagten Air 2001 ein dunkleres, verspielteres Album. Viele, die ein zweites Moon Safari erwartet hatten, waren irritiert, andere entdeckten darin die Neugier, mit der das Duo arbeitet.
2004–2007
04 Talkie Walkie
Für Talkie Walkie holten sie 2004 den Produzenten Nigel Godrich, bekannt durch seine Arbeit mit Radiohead. Die Songs wurden wieder zarter und melodischer, „Cherry Blossom Girl“ und „Alone in Kyoto“ – Letzteres im Film Lost in Translation – gehören zu ihren schönsten Stücken.
2006 schrieben und spielten Air die Musik für das Album 5:55 von Charlotte Gainsbourg. Auf ihrem eigenen Album Pocket Symphony von 2007 sangen Jarvis Cocker und Neil Hannon als Gäste.
2009–2016
05 Eigene Wege
Es folgte 2009 das Album Love 2. 2012 vertonten sie Georges Méliès’ Stummfilm Die Reise zum Mond aus dem Jahr 1902, dessen farbige Fassung aufwendig restauriert worden war.
Danach wurde es ruhiger um das Duo. Beide veröffentlichten Soloalben, 2016 erschien zum zwanzigjährigen Bestehen die Sammlung Twentyears.
2024–heute
06 Was bleibt
Zum 25. Jubiläum von Moon Safari spielten Air das Album ab 2024 zum ersten Mal vollständig live, auf einer Tournee, die sie bis 2025 durch Europa, Nordamerika und Australien führte.
Der Einfluss von Air reicht weit: Ihre Mischung aus Retro-Elektronik und schlichten Melodien hat Filmmusik, Werbung und unzählige Musiker geprägt, die heute mit alten Synthesizern arbeiten.
Hörtipp
Moon Safari passt an den Anfang eines Abends, wenn die Gäste ankommen und das Licht noch weich ist – leicht genug zum Plaudern, reich genug zum Zuhören. Zur Album-Story →
Das Album bei Musik Ungestört
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Daft Punk
2 Alben auf dieser Seite
Daft Punk und Air kamen zur selben Zeit aus der Pariser Szene und machten Ende der Neunziger elektronische Musik aus Frankreich weltweit bekannt.
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Radiohead
OK Computer
199753 Minuten
Nigel Godrich, der OK Computer produzierte, saß 2004 bei Airs Album Talkie Walkie am Mischpult.
Zur Album-Story →
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