Künstlerporträt
Daft Punk
Zwei Franzosen hinter Roboterhelmen, die elektronische Tanzmusik mit der Liebe zu Disco und alten Studios verbunden haben.
Daft Punk haben ihre Gesichter fast drei Jahrzehnte lang versteckt und sind trotzdem zu einem der bekanntesten Duos der Popgeschichte geworden. Thomas Bangalter und Guy-Manuel de Homem-Christo holten House-Musik aus den Clubs in die Charts, feierten Disco und Funk, als das noch uncool war, und machten am Ende ein Album, das so klingt, als sei es in den Siebzigern entstanden. Sie haben immer genau das getan, was sie selbst wollten – und sind dann einfach gegangen.
In diesem Porträt
1987–1995
01 Darlin’
Thomas Bangalter und Guy-Manuel de Homem-Christo lernten sich 1987 am Lycée Carnot in Paris kennen. Mit einem Freund gründeten sie die Indie-Rockband Darlin’. Ein britisches Musikmagazin verriss sie als „daft punky thrash“ – albernen Punk-Krach. Die beiden fanden das so lustig, dass sie sich später Daft Punk nannten.
Anfang der Neunziger entdeckten sie Rave und House. 1994 erschien auf dem schottischen Label Soma ihre erste Single „The New Wave“, 1995 folgte „Da Funk“, ein zäher, rauer Track, der in den Clubs überall lief.
1996–1998
02 Homework
Homework entstand in Bangalters Schlafzimmer in Paris, mit einfachen Geräten, und erschien im Januar 1997. „Around the World“ wiederholt seine Titelzeile unermüdlich, „Teachers“ zählt die House- und Techno-Produzenten auf, die die beiden verehrten.
Für die Videos arbeiteten sie mit Regisseuren wie Michel Gondry und Spike Jonze, die daraus kleine Kunstwerke machten. Daft Punk wurden zur Speerspitze einer Welle französischer elektronischer Musik, die bald „French Touch“ genannt wurde.
Mit der Plattenfirma Virgin handelten die beiden eine ungewöhnliche Freiheit aus: Sie behielten die Rechte an ihrer Musik und die Kontrolle über alles, was mit Daft Punk zu tun hatte, bis hin zu Videos und Fotos.
1999–2003
03 Discovery
Ab jetzt zeigten sie sich nur noch mit Roboterhelmen. Die Geschichte, die sie dazu erzählten: Am 9. September 1999, um 9 Uhr 09, sei ihr Sampler explodiert, und seitdem seien sie Roboter. Die Musik sollte für sich stehen, nicht die Gesichter.
Discovery erschien im März 2001 und war bunter, verspielter und poppiger als Homework, voller Anklänge an Disco, Funk und Softrock ihrer Kindheit. „One More Time“, gesungen von Romanthony, und „Digital Love“ wurden Hits. Zusammen mit dem japanischen Zeichner Leiji Matsumoto entstand 2003 ein Zeichentrickfilm, der das ganze Album erzählt.
2005–2010
04 Die Pyramide
Human After All von 2005 wurde in wenigen Wochen aufgenommen und fand wenig Anklang. Doch 2006 standen Daft Punk beim Coachella-Festival in Kalifornien in einer riesigen leuchtenden Pyramide und spielten ihre Songs als durchgehenden Mix. Viele, die dabei waren, sprechen bis heute davon.
Aus der Tournee entstand das Livealbum Alive 2007, das einen Grammy gewann. 2010 schrieben sie mit einem Orchester die Musik zum Film Tron: Legacy.
Die Pyramide gilt heute als Wendepunkt: Nach diesem Auftritt wurde elektronische Tanzmusik in Amerika zum Massenphänomen, und viele große DJs der folgenden Jahre nannten die Show als ihr Erweckungserlebnis.
2013
05 Random Access Memories
Für ihr viertes Album verzichteten Daft Punk weitgehend auf Samples und Computer. Sie gingen in klassische Studios in Paris, New York und Los Angeles und holten Musiker, die sie bewunderten: den Gitarristen Nile Rodgers von Chic, den Disco-Pionier Giorgio Moroder, der im Stück „Giorgio by Moroder“ seine Geschichte erzählt, den Songschreiber Paul Williams und Julian Casablancas von den Strokes.
Random Access Memories erschien im Mai 2013. „Get Lucky“ mit Pharrell Williams und Nile Rodgers war der Sommerhit des Jahres. Das Album gewann fünf Grammys, darunter den für das Album des Jahres, und klingt auf einer guten Anlage wie ein Fest.
2016–2021
06 Epilog
2016 produzierten sie mit The Weeknd die Hits „Starboy“ und „I Feel It Coming“. Neue eigene Musik kam nicht mehr.
Am 22. Februar 2021 veröffentlichten Daft Punk ein Video namens „Epilogue“: Einer der beiden Roboter sprengt sich in der Wüste in die Luft. Damit verkündeten sie ihre Trennung – ohne Interview, ohne Erklärung, ganz so, wie sie immer gearbeitet hatten.
Womit anfangen?
Random Access Memories: mit echten Instrumenten aufgenommen und auf einer guten Anlage ein Fest. Discovery ist die Partyvariante – ideal, wenn der Abend später tanzen darf. Zur Album-Story →
Die Alben bei Musik Ungestört
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Daft Punk
Discovery
2001rund 61 Minuten
Vierzehn Songs, vier Plattenseiten, ein Kinderzimmer-Ghettoblaster als Mischpult. Zwei Pariser erinnern sich an die Musik ihrer Kindheit.
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Daft Punk
Random Access Memories
2013gut 68 Minuten
Dreizehn Stücke, gut achtundsechzig Minuten. Die Reihenfolge stand Jahre vor der Veröffentlichung fest.
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Chic
Risqué
1979rund 37 Minuten
Nile Rodgers, dessen Gitarre auf „Get Lucky“ zu hören ist, prägte mit Chic den Disco-Sound der späten Siebziger.
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The Strokes
Is This It
2001rund 36 Minuten
Julian Casablancas von den Strokes singt auf Random Access Memories „Instant Crush“.
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