Künstlerporträt
Nirvana
Drei Musiker aus dem Nordwesten der USA, die mit einem einzigen Album den Rock der Neunziger umgekrempelt haben.
Nirvana gab es nur sieben Jahre lang, und in dieser Zeit erschienen drei Studioalben. Trotzdem hat kaum eine Band der Neunziger so viel verändert. Sie holten den lauten, ungeschliffenen Rock aus den Kellerclubs in die Charts, verdrängten den Glanz der Achtziger und machten eine ganze Szene aus Seattle berühmt. Im Zentrum stand Kurt Cobain, ein scheuer Songschreiber mit einem großen Gespür für Melodien, der mit dem Ruhm, den er bekam, nie zurechtkam.
In diesem Porträt
1967–1987
01 Aberdeen
Kurt Cobain wurde am 20. Februar 1967 geboren und wuchs in Aberdeen auf, einer grauen Holzfällerstadt an der Küste des Bundesstaats Washington. Er zeichnete viel, spielte Gitarre und fand in der Punkmusik einen Ort, an dem er sich verstanden fühlte.
Über die Band Melvins, deren Proben er besuchte, lernte er den Bassisten Krist Novoselic kennen. 1987 gründeten die beiden Nirvana. Die Schlagzeuger wechselten in den ersten Jahren mehrfach, die Band spielte auf Partys und in kleinen Clubs rund um Olympia und Seattle.
1988–1990
02 Sub Pop
Das kleine Seattler Label Sub Pop brachte 1988 die erste Single heraus, eine Coverversion von „Love Buzz“. Das erste Album Bleach wurde 1989 mit dem Produzenten Jack Endino für wenige hundert Dollar aufgenommen: roh, schwer und schon mit einem Song wie „About a Girl“, der zeigt, wie sehr Cobain die Beatles liebte.
Im Herbst 1990 kam Dave Grohl als Schlagzeuger dazu, ein kraftvoller Drummer aus der Hardcore-Szene in Washington, D.C. Damit war die Besetzung komplett. Auf Empfehlung von Kim Gordon von Sonic Youth unterschrieb die Band beim großen Label DGC.
Die Szene in Seattle war damals klein und eng verbunden. Bands wie Soundgarden und Mudhoney spielten in denselben Clubs, und die Fotos und Plakate von Sub Pop prägten das Bild einer rauen, verregneten Musikstadt, das bald um die Welt ging.
1991–1992
03 Nevermind
Im Mai 1991 nahm Nirvana mit dem Produzenten Butch Vig in den Sound City Studios in Los Angeles Nevermind auf. Der Titel „Smells Like Teen Spirit“ stammt von einem Spruch, den eine Freundin an Cobains Wand geschrieben hatte – Teen Spirit war eine Deo-Marke, was Cobain nicht wusste. Das Album erschien am 24. September 1991, mit dem Baby im Schwimmbecken auf dem Cover, das einem Dollarschein hinterherschwimmt.
Die Plattenfirma hatte mit einigen zehntausend verkauften Exemplaren gerechnet. Doch das Video zu „Teen Spirit“ lief ununterbrochen, und am 11. Januar 1992 verdrängte Nevermind Michael Jacksons Dangerous von Platz eins der amerikanischen Charts. „Grunge“ war plötzlich ein Begriff, und Cobain, der Stadionrock verachtete, war ein Rockstar.
Ich wollte den ultimativen Popsong schreiben. Im Grunde habe ich versucht, die Pixies abzukupfern.
1993
04 In Utero
Für das nächste Album holte sich die Band bewusst einen Produzenten, der für rauen, ungeglätteten Klang stand: Steve Albini. In einem Studio in Minnesota nahmen sie im Februar 1993 in nur rund zwei Wochen In Utero auf. Die Plattenfirma fand das Ergebnis zu sperrig, einige Songs wurden nachbearbeitet.
In Utero erschien im September 1993 und stieg auf Platz eins der amerikanischen Charts ein. „Heart-Shaped Box“ und „All Apologies“ zeigen eine Band, die sich nicht wiederholen wollte: lauter und zugleich zerbrechlicher als auf Nevermind.
1993–1994
05 Unplugged
Am 18. November 1993 spielte Nirvana in den Sony-Studios in New York für die Reihe MTV Unplugged. Cobain hatte sich die Bühne mit Kerzen und Lilien gewünscht. Statt der großen Hits spielte die Band leise Stücke und viele Coverversionen, darunter David Bowies „The Man Who Sold the World“, drei Songs der Meat Puppets mit den Brüdern Kirkwood als Gästen und zum Schluss Lead Bellys „Where Did You Sleep Last Night“.
Kurt Cobain starb im April 1994. Das Unplugged-Konzert erschien im November 1994 als Album, erreichte Platz eins und gewann einen Grammy. Heute gilt es als eines der besten Live-Alben überhaupt – ein stiller, konzentrierter Abend, der zeigt, was diese Band auch ohne Lautstärke konnte.
1994–heute
06 Was bleibt
Dave Grohl gründete 1995 die Foo Fighters und wurde selbst zu einem der größten Rockstars seiner Zeit. Krist Novoselic engagierte sich politisch und spielte in verschiedenen Bands.
2014, im ersten möglichen Jahr, wurde Nirvana in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen. Nevermind gehört bis heute zu den meistverkauften Rockalben, und kaum eine Gitarrenband der folgenden Jahrzehnte kam an Nirvana vorbei.
Die Musik von Nirvana wird bis heute neu entdeckt, auch von Menschen, die 1994 noch gar nicht geboren waren. Und viele hören in den leisen Songs der Band inzwischen mehr als im Lärm von „Teen Spirit“.
Womit anfangen?
Für einen Hörabend eher MTV Unplugged in New York: ruhig, nah und live aufgenommen. Wer es laut mag, fängt mit Nevermind an – am besten auf einer Anlage, die das Schlagzeug aushält. Zur Album-Story →
Die Alben bei Musik Ungestört
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Nirvana
Nevermind
1991rund 43 Minuten
Zwölf Tracks, rund dreiundvierzig Minuten. Am Ende, je nach Pressung, zehn Minuten Stille.
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Nirvana
MTV Unplugged in New York
1994rund 54 Minuten
Vierzehn Songs, ein einziger Durchgang, sechs davon Coverversionen. Und am Ende eine Pause vor dem letzten Ton, die niemand im Saal vergessen hat.
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Pixies
Doolittle
1989rund 39 Minuten
Kurt Cobain sagte über „Smells Like Teen Spirit“, er habe versucht, wie die Pixies zu klingen.
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Pearl Jam
Ten
1991rund 51 Minuten
Pearl Jam kam aus derselben Szene in Seattle – Ten erschien fast zeitgleich mit Nevermind.
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Künstlerporträt
David Bowie
3 Alben auf dieser Seite
Bei MTV Unplugged spielte Nirvana Bowies „The Man Who Sold the World“ – für viele junge Fans die erste Begegnung mit dem Song.
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Nirvana gemeinsam hören
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