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Künstlerporträt

Aphex Twin

Ein Tüftler aus Cornwall, der mit selbst gebauten Geräten elektronische Musik zwischen verträumter Stille und wildem Chaos erfunden hat.

Hinter Aphex Twin steht Richard D. James, einer der einflussreichsten Musiker der elektronischen Musik. Schon als Jugendlicher schraubte er an Synthesizern und nahm Stücke auf Kassette auf. Er kann ungeheuer zart klingen und im nächsten Stück hektisch und verstörend. Diese Spannweite, dazu seine Lust an Verwirrspielen und Pseudonymen, haben ihn zu einer prägenden Figur gemacht, die Musiker von Radiohead bis zu heutigen Produzenten beeinflusst.

In diesem Porträt

  1. 01Cornwall 1971–1990
  2. 02Raves 1991–1992
  3. 03Selected Ambient Works 1992
  4. 04Warp 1994–1999
  5. 05Rückzug und Rückkehr 2001–2014
  6. 06Was bleibt 2015–heute

1971–1990

01 Cornwall

Richard David James wurde am 18. August 1971 in Limerick in Irland geboren und wuchs in Cornwall im Südwesten Englands auf. Dort, weit weg von den Clubs der Großstädte, begann er früh, mit Elektronik zu experimentieren.

Mit etwa dreizehn Jahren nahm er erste Stücke auf. Er veränderte Synthesizer, programmierte auf einem Heimcomputer und sammelte seine Aufnahmen auf Kassetten. Viele dieser frühen Stücke fanden später ihren Weg auf seine Platten.

1991–1992

02 Raves

Anfang der Neunziger legte James bei Raves in Cornwall auf. 1991 erschien seine erste EP Analogue Bubblebath, im selben Jahr gründete er mit Grant Wilson-Claridge das Label Rephlex.

1992 lief sein Stück „Digeridoo“ in den Clubs und machte ihn in der Szene bekannt. Ende des Jahres unterschrieb er beim Label Warp in Sheffield, das zur wichtigsten Heimat seiner Musik werden sollte.

1992

03 Selected Ambient Works

Cover von Selected Ambient Works 85–92
Selected Ambient Works 85–92 · 1992

Selected Ambient Works 85–92 sammelt Stücke, die James zwischen 1985 und 1992 aufgenommen hatte, teils als Schüler, mit selbst gebauten und umgebauten Geräten und auf Kassette. Man hört das Rauschen des Bandes – und gerade das macht den Reiz aus. „Xtal“, „Ageispolis“, „Heliosphan“ und „Pulsewidth“ verbinden sanfte Flächen mit ruhig pulsierenden Beats.

Das Album erschien am 9. November 1992 bei Apollo, einem Ableger des belgischen Labels R&S. Die Kritik war begeistert; ein britisches Musikmagazin schrieb, seit Kraftwerk habe niemand Klangtexturen so verstanden. Das Album gilt bis heute als einer der Grundsteine der elektronischen Musik zum Zuhören statt zum Tanzen.

1994–1999

04 Warp

1994 folgte Selected Ambient Works Volume II, noch stiller und rätselhafter. Danach wurde seine Musik schneller und verspielter: …I Care Because You Do erschien 1995, das Richard D. James Album 1996, voller rasender Rhythmen und kindlich einfacher Melodien.

Die Videos zu „Come to Daddy“ (1997) und „Windowlicker“ (1999), gedreht von Chris Cunningham, wurden berühmt und brachten Aphex Twin ins Musikfernsehen. Sein Gesicht, oft verzerrt grinsend, wurde zu einem Markenzeichen.

2001–2014

05 Rückzug und Rückkehr

Das Doppelalbum Drukqs von 2001 enthält neben wilden Stücken auch zarte Klavierminiaturen für ein computergesteuertes Klavier. Danach veröffentlichte James über Jahre nur unter anderen Namen.

Erst 2014 erschien mit Syro wieder ein Album unter dem Namen Aphex Twin. Es wurde 2015 mit einem Grammy als bestes Dance/Electronic-Album ausgezeichnet.

2015–heute

06 Was bleibt

Seitdem erscheinen in unregelmäßigen Abständen EPs wie Collapse (2018) und Blackbox Life Recorder 21f (2023). Seine Auftritte sind selten und gelten als Ereignisse.

Aphex Twin hat gezeigt, dass elektronische Musik zugleich experimentell und berührend sein kann. Seine ruhigen frühen Stücke haben das Genre Ambient für eine ganze Generation neu geöffnet.

Hörtipp

Selected Ambient Works 85–92 eignet sich für einen ruhigen Abend bei gedimmtem Licht – ein Album, das den Raum füllt, ohne Gespräche zu verdrängen. Zur Album-Story →

Das Album bei Musik Ungestört

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