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Künstlerporträt

Gary Moore

Zwanzig Jahre lang hat er fast alles gespielt, was eine Gitarre hergibt – und dann zum Blues zurückgefunden, mit dem er als Junge begonnen hatte.

Gary Moore war ein Gitarrist, der schwer in eine Schublade passte. Er spielte Bluesrock, Jazzrock, Hardrock und keltisch gefärbten Rock, stand bei Thin Lizzy auf der Bühne und hatte Hits mit seinem Freund Phil Lynott. Ende der Achtziger fühlte er sich in seiner eigenen Musik fremd. Mit Still Got the Blues kehrte er 1990 zu seinen Anfängen zurück und hatte den größten Erfolg seines Lebens. Durch fast alle Phasen begleitete ihn eine Gitarre, die ihm sein Vorbild Peter Green verkauft hatte.

In diesem Porträt

  1. 01Belfast 1952–1968
  2. 02Dublin 1968–1974
  3. 03Wanderjahre 1975–1979
  4. 04Hardrock 1980–1989
  5. 05Blues 1990–2011
  6. 06Was bleibt 2011–heute

1952–1968

01 Belfast

Robert William Gary Moore wurde am 4. April 1952 in Belfast geboren. Sein Vater betrieb einen Tanzsaal im nahen Holywood. Mit zehn Jahren bekam Gary eine gebrauchte Akustikgitarre. Obwohl er Linkshänder war, lernte er, sie wie ein Rechtshänder zu spielen.

Seine erste Band spielte vor allem Songs der Beatles. Dann erlebte er in einem Belfaster Club Peter Green, der gerade Eric Clapton bei John Mayalls Bluesbreakers abgelöst hatte, und fand sein Vorbild. Moore erzählte später, wie Green sich an einen Verstärker anschloss, den er für Schrott hielt, und daraus einen unglaublichen Klang holte.

1968–1974

02 Dublin

1968, als in Nordirland die Unruhen begannen, zog Moore nach Dublin. Dort wurde er Gitarrist der Bluesrockband Skid Row, in der anfangs Phil Lynott sang. Die beiden wurden enge Freunde und teilten sich eine Wohnung. Skid Row nahm zwei Alben auf und spielte im Vorprogramm der Allman Brothers Band.

Auf einer Tournee mit Fleetwood Mac lernte Moore 1970 Peter Green persönlich kennen. Green verkaufte ihm seine Gibson Les Paul von 1959 für rund 100 Pfund. Die Gitarre, später „Greeny“ genannt, wurde zu Moores wichtigstem Instrument.

1974 half er bei Lynotts Band Thin Lizzy aus, als deren Gitarrist ausgestiegen war. In den wenigen Monaten dort schrieb er mit an der Ballade „Still in Love with You“.

1975–1979

03 Wanderjahre

Mitte der Siebziger spielte Moore Jazzrock bei Colosseum II, drei Alben lang. 1977 sprang er noch einmal für eine US-Tournee bei Thin Lizzy ein, 1978 wurde er festes Mitglied und spielte das Album Black Rose ein.

1979 kam seine Single „Parisienne Walkways“ in Großbritannien auf Platz 8, gesungen von Lynott. Mitten in der Tour im Juli 1979 verließ Moore Thin Lizzy abrupt, enttäuscht vom Zustand der Band.

1980–1989

04 Hardrock

In den Achtzigern wurde Moore zum Hardrock-Solisten mit eigener Stimme. Ab Corridors of Power sang er selbst, die Platten wurden lauter, die Frisuren höher. Mit Lynott nahm er 1985 „Out in the Fields“ auf, ein Lied über den Nordirland-Konflikt, das in Großbritannien Platz 5 erreichte.

Lynott starb im Januar 1986. Moore widmete ihm das Album Wild Frontier, auf dem er irische Folkmelodien mit Rock verband. Doch nach After the War 1989 erkannte er sich in seinen eigenen Platten nicht mehr wieder.

1990–2011

05 Blues

Cover von Still Got the Blues
Still Got the Blues · 1990

Still Got the Blues erschien im März 1990, mit Albert King, Albert Collins und George Harrison als Gästen. Moore trat nun im schlichten Anzug auf. Er wollte den Rockfans, so sagte er später, eine klare Botschaft senden: Was er jetzt mache, sei nicht unbedingt etwas, das ihnen gefallen werde. Es gefiel trotzdem, rund drei Millionen Mal.

After Hours setzte den Weg 1992 fort. Mit Jack Bruce und Ginger Baker von Cream spielte er kurz als Trio BBM. 1995 widmete er Peter Green ein ganzes Album, Blues for Greeny, eingespielt auf dessen Gitarre.

2006 verkaufte Moore Greeny, nach eigener Aussage aus finanziellen Gründen. Er blieb beim Blues, mit kurzen Ausflügen in andere Stile. Am 6. Februar 2011 starb Gary Moore im Urlaub im spanischen Estepona an einem Herzinfarkt, mit 58 Jahren.

2011–heute

06 Was bleibt

Greeny gehört seit 2014 Kirk Hammett von Metallica. So lebt Peter Greens Ton in einer Band weiter, die mit Blues wenig zu tun hat.

Gitarristen wie Joe Bonamassa, John Petrucci und Zakk Wylde nennen Moore als Einfluss. „Parisienne Walkways“ und „Still Got the Blues“ gehören bis heute zu den Stücken, an denen sich junge Gitarristen messen – vor allem an dem langen, singenden Ton, den Moore aus einer Note ziehen konnte.

Hörtipp

Still Got the Blues ist ein Album für einen Abend mit Freunden, die Rock mögen und sich dem Blues nähern wollen. Am besten laut, und mit einer Pause nach dem Titelstück. Zur Album-Story →

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