Künstlerporträt
John Lee Hooker
Ein Rhythmus, eine Stimme, ein klopfender Fuß – mehr brauchte John Lee Hooker nicht, um fünfzig Jahre lang den Blues zu prägen.
John Lee Hooker spielte den Blues so, wie ihn kein Lehrbuch beschreibt. Er hielt sich selten an zwölf Takte, wechselte die Akkorde, wann es ihm passte, und schlug den Takt mit dem Fuß. Aus dem Mississippi-Delta kam er über Memphis nach Detroit, wo er 1948 mit „Boogie Chillen“ seinen ersten Hit hatte. Rockbands von den Rolling Stones bis zu den Doors lernten bei ihm. Und mit über siebzig erlebte er mit The Healer ein Comeback, das ihm ein ganz neues Publikum brachte.
In diesem Porträt
1912–1943
01 Mississippi
Wann genau John Lee Hooker geboren wurde, ist nicht sicher. Meist wird der 22. August 1917 genannt, Volkszählungsdaten deuten eher auf 1912. Er wuchs im Nordwesten von Mississippi auf, als jüngstes von elf Kindern. Sein Vater, Farmpächter und Baptistenprediger, hielt den Blues für Teufelsmusik.
Nach der Trennung der Eltern heiratete die Mutter den Bluesgitarristen William Moore. Der Stiefvater brachte dem Jungen das Gitarrespiel bei und wurde sein wichtigster früher Einfluss. Mit etwa vierzehn lief er von zu Hause fort und spielte in den Dreißigern unter anderem in Memphis.
1943–1955
02 Detroit
1943 zog Hooker nach Detroit und arbeitete in den Fabriken der Autostadt, unter anderem als Hausmeister. Abends spielte er in den Clubs rund um die Hastings Street, dem Zentrum des schwarzen Nachtlebens der Stadt.
1948 nahm er für den Produzenten Bernard Besman „Boogie Chillen“ auf: nur Stimme, Gitarre und sein stampfender Fuß. Die Single erschien bei Modern Records und wurde die meistverkaufte Platte des Jahres 1949 in den damaligen „Race“-Charts. Weil er bei vielen Labels gleichzeitig aufnahm, benutzte er Decknamen wie Texas Slim oder John Lee Booker. 1951 kam „I'm in the Mood“ auf Platz eins der R&B-Charts.
1955–1969
03 Newport
Ab Mitte der Fünfziger nahm Hooker für Vee-Jay in Chicago auf, nun mit Band. 1960 trat er beim Folk Festival in Newport allein mit akustischer Gitarre auf. Gut eine Woche später spielte er beim Jazzfestival am selben Ort, diesmal elektrisch und begleitet von der Band von Muddy Waters. Am selben Nachmittag entstand Muddys Livealbum At Newport 1960.
1962 erschien „Boom Boom“, begleitet von Musikern aus der Studioband von Motown. Im selben Jahr kam Hooker mit dem American Folk Blues Festival erstmals nach Europa. In Großbritannien verehrten ihn die jungen Bands: Die Animals coverten „Boom Boom“, und 1964 kam „Dimples“ in die britischen Charts, acht Jahre nach der Erstveröffentlichung.
1970–1988
04 Kalifornien
Um 1970 zog Hooker nach Kalifornien. Mit der Bluesrockband Canned Heat nahm er das Doppelalbum Hooker ’n Heat auf. Es erschien 1971 und war sein erstes Album in den amerikanischen Albumcharts.
1980 hatte er einen kurzen Auftritt im Film „The Blues Brothers“: als Straßenmusiker, der „Boom Boom“ spielt. Im selben Jahr wurde er in die Blues Hall of Fame aufgenommen. In den Achtzigern tourte er mit seiner Coast to Coast Blues Band, in der auch der Slidegitarrist Roy Rogers spielte.
1989–2001
05 Comeback
Sein Manager Mike Kappus hatte die Idee, Hooker mit Musikern zusammenzubringen, die ihn verehrten. Roy Rogers produzierte, Carlos Santana, Bonnie Raitt, Robert Cray, Los Lobos und andere kamen ins Studio. The Healer erschien 1989 und brachte Hooker 1990 seinen ersten Grammy, für das Duett mit Bonnie Raitt. In der Talkshow von David Letterman trug er Anstecknadeln in Form eines Sterns und eines Dollarzeichens und erklärte: „Ich bin ein Star. Und ich spiele für Geld.“
Für den Film „The Hot Spot“ spielte er 1990 mit Miles Davis und Taj Mahal. 1991 folgte Mr. Lucky, unter anderem mit Keith Richards von den Rolling Stones. Im selben Jahr wurde Hooker in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen.
1997 produzierte Van Morrison sein Album Don’t Look Back, das zwei Grammys gewann. Im Jahr 2000 erhielt er den Grammy für sein Lebenswerk. John Lee Hooker starb am 21. Juni 2001 im Schlaf in seinem Haus in Los Altos in Kalifornien.
2001–heute
06 Was bleibt
„Boogie Chillen“ und „Boom Boom“ gehören zu den Songs, die nach Ansicht der Rock and Roll Hall of Fame den Rock geprägt haben. Seine Art, einen Song auf einem einzigen Groove zu bauen, findet man bei den Rolling Stones, den Doors, Van Morrison und Canned Heat wieder.
Hooker hinterließ Hunderte Aufnahmen unter vielen Namen und bei vielen Labels. Wer ihn verstehen will, fängt am besten bei den frühen Detroiter Soloaufnahmen an und hört danach The Healer: derselbe Mann, dieselbe Stimme, vierzig Jahre später.
Hörtipp
The Healer ist ein Album für einen späten Abend. Die erste Seite darf laut sein, die zweite gehört dem leisen Hooker – dafür lohnt es, das Gespräch kurz ruhen zu lassen. Zur Album-Story →
Das Album bei Musik Ungestört
Weiterhören
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Muddy Waters
At Newport 1960
1960rund 34 Minuten
Muddy Waters in Newport 1960: Am selben Nachmittag spielte Hooker dort mit Muddys Band, und auf dem Cover hält Muddy Hookers Gitarre.
Zur Album-Story → -
Buddy Guy
Damn Right, I've Got the Blues
1991rund 54 Minuten
Buddy Guy gelang 1991 ein ähnliches spätes Comeback wie Hooker mit The Healer, ebenfalls mit Gästen aus dem Rock.
Zur Album-Story →
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