Künstlerporträt
Marvin Gaye
Der Motown-Sänger, der sich gegen seine Plattenfirma durchsetzte und das erste große Konzeptalbum des Soul schuf.
Marvin Gaye hatte eine der schönsten Stimmen des Soul und hätte es sich leicht machen können: Hits für Motown, Duette, Liebeslieder. Stattdessen stellte er 1971 ein Album vor, das von Krieg, Armut und Umweltzerstörung erzählt, als durchgehende Suite ohne Pausen. What’s Going On veränderte, was Soulmusik sein durfte, und gab vielen Kolleginnen und Kollegen den Mut, ihre Platten selbst zu gestalten.
In diesem Porträt
1939–1960
01 Washington
Marvin Gay wurde am 2. April 1939 in Washington, D.C. geboren. Sein Vater war Prediger, und Marvin sang schon als Kind in der Kirche. Das „e“ am Ende des Namens fügte er später hinzu.
Nach einer kurzen Zeit bei der Luftwaffe sang er bei den Moonglows, einer Doo-Wop-Gruppe um Harvey Fuqua. Mit Fuqua kam er 1960 nach Detroit.
1961–1967
02 Motown
In Detroit nahm ihn Berry Gordys junges Label Motown unter Vertrag. Anfangs spielte Gaye oft Schlagzeug bei Aufnahmen anderer Künstler.
Ab 1962 kamen eigene Hits wie „Stubborn Kind of Fellow“ und „How Sweet It Is (To Be Loved by You)“. Eigentlich wollte er Balladen singen wie Nat King Cole, doch Motown machte ihn zum Star der tanzbaren Singles.
1967–1970
03 Grapevine
Mit Tammi Terrell sang er Duette wie „Ain’t No Mountain High Enough“, die zu den schönsten der Soulgeschichte gehören.
„I Heard It Through the Grapevine“ wurde 1968 sein größter Hit. Doch der frühe Tod von Tammi Terrell 1970 traf ihn schwer, und Gaye zog sich zurück.
1970–1971
04 What’s Going On
Die Idee zum Titelsong kam von Renaldo Benson von den Four Tops. Gaye verarbeitete darin auch die Briefe seines Bruders, der als Soldat in Vietnam war. Berry Gordy hielt den Song für zu politisch und wollte ihn nicht veröffentlichen.
Die Single erschien im Januar 1971 trotzdem und wurde ein riesiger Erfolg. Das Album folgte im Mai: neun Songs, die ineinander übergehen, getragen von den Studiomusikern von Motown und Streichern, mit Stücken wie „Mercy Mercy Me (The Ecology)“ und „Inner City Blues“. Gaye produzierte es selbst.
1973–1981
05 Let’s Get It On
Mit Let’s Get It On wandte er sich 1973 wieder der Liebe zu, sinnlicher und direkter als je zuvor. Auch dieses Album gilt als Meilenstein.
Die folgenden Jahre waren schwierig, privat wie beruflich. Here, My Dear von 1978 ist eine ungewöhnlich offene Platte über eine Scheidung. Anfang der Achtziger lebte Gaye eine Zeit lang im belgischen Ostende.
1982–1984
06 Sexual Healing
Mit „Sexual Healing“ gelang ihm 1982 ein großes Comeback, gebaut auf einem Drumcomputer. Der Song brachte ihm seine ersten beiden Grammys.
Marvin Gaye starb am 1. April 1984 in Los Angeles, einen Tag vor seinem 45. Geburtstag. What’s Going On wird bis heute regelmäßig zu den wichtigsten Alben der Popgeschichte gezählt.
Hörtipp
What’s Going On läuft ohne Pausen durch und entfaltet sich am besten, wenn man die Nadel einmal auflegt und sie bis zum Ende der Seite liegen lässt. Zur Album-Story →
Das Album bei Musik Ungestört
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