Künstlerporträt
Stevie Wonder
Mit elf Jahren bei Motown unter Vertrag, mit Anfang zwanzig sein eigener Produzent – und dann eine Serie von Alben, die ihresgleichen sucht.
Stevie Wonder ist einer der wenigen Musiker, die zugleich Wunderkind und reifer Künstler waren – und beides öffentlich. Er wuchs vor den Augen des Publikums auf, erst als niedlicher Kinderstar mit Mundharmonika, dann als Musiker, der fast alles selbst einspielte, Synthesizer in den Soul brachte und über Rassismus und Armut sang, ohne dass seine Songs je aufhörten zu grooven.
In diesem Porträt
1950–1962
01 Little Stevie
Stevland Hardaway Judkins, später Morris, kam am 13. Mai 1950 in Saginaw, Michigan, zur Welt und wuchs in Detroit auf. Schon als Kind spielte er Klavier, Mundharmonika und Schlagzeug, sang im Kirchenchor und fiel in der Nachbarschaft durch sein Talent auf.
Ronnie White von den Miracles brachte ihn zu einem Vorspiel bei Motown. Label-Chef Berry Gordy nahm den Elfjährigen 1961 unter Vertrag und gab ihm den Namen Little Stevie Wonder.
Motown war damals eine junge, rasant wachsende Plattenfirma in Detroit, in der Songschreiber, Studiomusiker und Sänger fast wie in einer Fabrik Hits produzierten. Der junge Stevie wuchs dort zwischen Stars wie Marvin Gaye und den Supremes auf und lernte das Handwerk von den Besten.
1963–1970
02 Motown-Hits
1963 erschien „Fingertips (Pt. 2)“, live bei einem Konzert aufgenommen, mit einem langen Mundharmonika-Solo und einem Publikum, das mitgeht. Der Song kam an die Spitze der amerikanischen Charts. Stevie Wonder war dreizehn und damals der jüngste Künstler, dem das je gelungen war.
In den folgenden Jahren lieferte er Hit auf Hit: „Uptight“, „My Cherie Amour“, „Signed, Sealed, Delivered I’m Yours“. Die Songs waren großartig, aber im Motown-System entschieden andere, was aufgenommen wurde. Gegen Ende der Sechziger begann Wonder, eigene Stücke zu produzieren, und wollte mehr.
1971–1972
03 Freiheit
Als er im Mai 1971 volljährig wurde, lief sein alter Vertrag aus. Wonder handelte einen neuen aus, der ihm die volle künstlerische Kontrolle und die Rechte an seinen Songs sicherte – für einen Motown-Künstler damals fast unerhört.
Mit den Synthesizer-Pionieren Malcolm Cecil und Robert Margouleff und ihrem riesigen Synthesizer-System TONTO entdeckte er neue Klangfarben. 1972 erschienen Music of My Mind und Talking Book, mit „Superstition“ und „You Are the Sunshine of My Life“. Im selben Jahr ging er als Vorgruppe mit den Rolling Stones auf Tournee und erreichte damit ein ganz neues Publikum.
„Superstition“ hatte er eigentlich für den Gitarristen Jeff Beck geschrieben. Motown bestand darauf, den Song selbst als Single herauszubringen, und das Riff, gespielt auf einem Clavinet, wurde eines der bekanntesten der Popgeschichte.
1973–1974
04 Innervisions
Innervisions erschien im August 1973. Wonder spielte fast alle Instrumente selbst: Keyboards, Schlagzeug, Bass, Mundharmonika. „Living for the City“ erzählt in sieben Minuten von einem jungen Mann aus Mississippi, der in New York unter die Räder kommt, mit Straßengeräuschen und gesprochenen Szenen mittendrin. „Higher Ground“ ist Funk, der nach vorne drängt.
Das Album gewann den Grammy für das Album des Jahres, und schon 1974 folgte mit Fulfillingness’ First Finale das nächste – und der nächste Grammy. Wonder war nun der wichtigste schwarze Musiker Amerikas, und viele fragten sich, was nach so einer Serie noch kommen könnte.
1975–1976
05 Songs in the Key of Life
Die Antwort ließ auf sich warten. Wonder arbeitete zwei Jahre an seinem nächsten Album, in verschiedenen Studios, mit Dutzenden Musikern. T-Shirts mit der Aufschrift „We’re almost finished“ – wir sind fast fertig – wurden zum Running Gag.
Songs in the Key of Life erschien im September 1976: zwei Platten und eine zusätzliche kleine Single mit vier Songs. Es stieg sofort auf Platz eins der amerikanischen Charts ein, damals eine Seltenheit. „Sir Duke“ ist eine Hommage an Duke Ellington, „Isn’t She Lovely“ feiert die Geburt seiner Tochter. Das Album gewann seinen dritten Grammy für das Album des Jahres.
Das Album ist voller Stilwechsel: Jazz, Gospel, Funk, afrikanische Rhythmen, Balladen mit Streichern. Elton John nannte es einmal das beste Album, das je gemacht wurde, und viele Musikerinnen und Musiker sehen das bis heute ähnlich.
1980–heute
06 Mehr als Musik
Mit „Happy Birthday“ vom Album Hotter than July warb Wonder 1980 dafür, den Geburtstag von Martin Luther King zum Feiertag zu machen. Er organisierte Kundgebungen und sammelte Millionen Unterschriften. 1983 wurde das Gesetz unterzeichnet.
1985 gewann „I Just Called to Say I Love You“ den Oscar für den besten Filmsong, und im selben Jahr sang er bei „We Are the World“. Stevie Wonder ist bis heute auf der Bühne, und seine Songs aus den Siebzigern gehören zu den meistgesampelten der Popgeschichte.
Womit anfangen?
Innervisions: neun Songs, keiner zu viel, und in unter 45 Minuten eine ganze Welt. Songs in the Key of Life ist der Abend mit Überlänge, wenn alle Zeit mitbringen. Zur Album-Story →
Die Alben bei Musik Ungestört
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Stevie Wonder
Innervisions
1973rund 44 Minuten
Fast im Alleingang mit dem Synthesizer TONTO aufgenommen – drei Tage vor einem Unfall, der beinahe alles beendet hätte.
Zur Album-Story → -
Stevie Wonder
Songs in the Key of Life
1976rund 105 Minuten (Doppelalbum plus Bonus-EP)
Ein Album, das ein Einzelner mit über hundertdreißig Mitwirkenden aufnahm und das trotzdem wie eine einzige durchgehende Stimme klingt.
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Marvin Gaye
What's Going On
1971rund 35 Minuten
Marvin Gaye erkämpfte sich zur selben Zeit bei Motown dieselbe Freiheit – What’s Going On erschien 1971.
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Künstlerporträt
The Rolling Stones
2 Alben auf dieser Seite
Mit den Rolling Stones ging Stevie Wonder 1972 auf Tournee.
Zum Porträt →
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