Künstlerporträt
My Bloody Valentine
Eine irisch-englische Band, die Gitarren so lange übereinanderschichtete, bis daraus ein warmer, schwebender Klangnebel mit Popmelodien darin wurde.
My Bloody Valentine haben die Gitarre neu klingen lassen: nicht als scharfes Riff, sondern als verschwommene Fläche, die sich leicht biegt und schwankt. Kevin Shields drückte dafür beim Anschlagen ständig den Tremolohebel, sodass die Töne nie ganz stillstehen. Darunter liegen Melodien, die fast wie Popsongs klingen, gesungen im Flüsterton von Shields und Bilinda Butcher. Loveless brauchte über zwei Jahre, fast zwanzig Studios und brachte die Plattenfirma an ihre Grenzen – und wurde zu einem der einflussreichsten Alben der Neunziger.
In diesem Porträt
1983–1986
01 Dublin und Berlin
Kevin Shields, in New York geboren und in Dublin aufgewachsen, gründete die Band 1983 mit dem Schlagzeuger Colm Ó Cíosóig. Erster Sänger war David Conway.
Ende 1984 zog die Band nach West-Berlin und nahm dort ihre erste kurze Platte auf. 1985 kam die Bassistin Debbie Googe dazu, und die Gruppe ließ sich in London nieder.
1987–1988
02 Isn’t Anything
Nachdem David Conway 1987 ausgestiegen war, kam Bilinda Butcher als Sängerin und Gitarristin in die Band. Ihre Stimme und die von Shields verschmolzen fortan zu einem gemeinsamen Klang.
Beim Londoner Label Creation erschienen 1988 die EP You Made Me Realise und das erste Album Isn’t Anything. Die Kritik war begeistert, und eine ganze Reihe junger Bands begann, ähnlich zu klingen – die Presse nannte das bald Shoegaze.
1989–1991
03 Loveless
Die Arbeit an Loveless begann im Februar 1989 und dauerte bis September 1991. Shields wechselte immer wieder das Studio, am Ende waren es fast zwanzig. Weil Colm Ó Cíosóig in dieser Zeit gesundheitlich angeschlagen war, bestehen die meisten Schlagzeugspuren aus Samples seines Spiels. Die EPs Glider und Tremolo gaben 1990 und 1991 einen Vorgeschmack, mit „Soon“ und „To Here Knows When“.
Das Album erschien am 4. November 1991. Stücke wie „Only Shallow“, „When You Sleep“ und „Sometimes“ klingen wie Popsongs, die man durch eine Wand aus warmem Rauschen hört. In Großbritannien kam es nur auf Platz 24, doch Kritiker zählen es seitdem zu den wichtigsten Alben seiner Zeit. Creation trennte sich kurz darauf von der Band, weil die Aufnahmen das Label so viel gekostet hatten.
1992–2006
04 Die lange Stille
1992 unterschrieben My Bloody Valentine bei Island Records. Ein neues Album entstand jedoch nicht, und Mitte der Neunziger gingen die Musiker getrennte Wege.
Kevin Shields spielte in dieser Zeit mit Primal Scream und arbeitete mit anderen Musikern. Für Sofia Coppolas Film Lost in Translation schrieb er 2003 Musik; auch „Sometimes“ von Loveless ist darin zu hören.
2007–heute
05 Rückkehr
2007 fand die Band wieder zusammen und spielte 2008 ihre ersten Konzerte seit 16 Jahren, berühmt für ihre enorme Lautstärke.
Am 2. Februar 2013 erschien überraschend das dritte Album m b v, 22 Jahre nach Loveless, zunächst nur über die eigene Website. Ende 2025 ging die Band nach längerer Pause wieder auf Tournee.
Hörtipp
Loveless braucht Lautstärke und gute Boxen, damit das Rauschen warm und nicht anstrengend klingt – am besten spät am Abend, wenn niemand mehr reden, sondern nur noch hineinhören möchte. Zur Album-Story →
Das Album bei Musik Ungestört
Weiterhören
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The Smashing Pumpkins
Siamese Dream
1993rund 62 Minuten
Billy Corgan holte Alan Moulder, der schon an Loveless mitgearbeitet hatte, für die Abmischung von Siamese Dream – wegen genau dieses Klangs.
Zur Album-Story → -
Air
Moon Safari
1998rund 44 Minuten
Air und Kevin Shields sind beide auf dem Soundtrack zu Sofia Coppolas Film Lost in Translation vertreten.
Zur Album-Story →
My Bloody Valentine gemeinsam hören
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