Künstlerporträt
R.E.M.
Aus einer Collegestadt in Georgia zur großen Band der Neunziger – ohne je den eigenen, leisen Eigensinn aufzugeben.
R.E.M. begannen als Band des amerikanischen College-Radios: klingelnde Gitarren, ein Sänger, dessen Texte kaum zu verstehen waren, und Platten auf einem kleinen Label. Über ein Jahrzehnt wuchsen sie Schritt für Schritt, bis sie Anfang der Neunziger zu den erfolgreichsten Bands der Welt gehörten. Michael Stipe wurde dabei vom geheimnisvollen Murmler zu einem Sänger, der klar und berührend über Verlust, Zweifel und Zusammenhalt sang. Viele Indie- und Alternative-Bands, die nach ihnen kamen, sahen in R.E.M. das Vorbild dafür, dass man groß werden kann, ohne sich zu verbiegen.
In diesem Porträt
1980–1982
01 Athens
In Athens, einer Universitätsstadt in Georgia, lernte der Gitarrist Peter Buck, der in einem Plattenladen arbeitete, den Kunststudenten Michael Stipe kennen. Über Freunde kamen der Bassist Mike Mills und der Schlagzeuger Bill Berry dazu. Am 5. April 1980 spielten sie ihr erstes Konzert, auf einer Geburtstagsfeier in einer ehemaligen Kirche.
1981 erschien auf einem winzigen Label die Single „Radio Free Europe“. Ein Jahr später folgte beim Label I.R.S. die EP Chronic Town.
1983–1987
02 College-Radio
Das erste Album Murmur von 1983 klang wie aus einer anderen Zeit: Bucks helle Gitarren, Mills’ melodischer Bass und Stipes verschleierter Gesang. Das Magazin Rolling Stone wählte es zum Album des Jahres.
Die Band tourte unermüdlich durch Clubs und Hochschulen und veröffentlichte fast jedes Jahr ein Album. Fables of the Reconstruction entstand 1985 in London mit dem Produzenten Joe Boyd. Mit Document und der Single „The One I Love“ kamen R.E.M. 1987 erstmals in die amerikanischen Top Ten.
1988–1991
03 Losing My Religion
1988 wechselten R.E.M. zu Warner Bros. und veröffentlichten Green. Die folgende Welttournee war ihre bis dahin größte.
Out of Time erschien im März 1991 und stand in den USA und in Großbritannien auf Platz eins. „Losing My Religion“, getragen von Peter Bucks Mandoline, wurde weltweit ein Hit. Die Band entschied sich trotzdem, nicht auf Tournee zu gehen.
1991–1992
04 Automatic for the People
Ursprünglich wollten R.E.M. nach dem ruhigen Out of Time eine lautere Platte machen. Doch die Songs, die ab Mitte 1991 entstanden, wurden noch stiller und ernster. Mit dem Produzenten Scott Litt nahm die Band in mehreren Studios auf, unter anderem in Woodstock, Miami und New Orleans. Den Titel entlehnten sie dem Motto eines Imbisses in Athens.
Die Streicher für „Drive“, „The Sidewinder Sleeps Tonite“, „Everybody Hurts“ und „Nightswimming“ arrangierte John Paul Jones, der frühere Bassist von Led Zeppelin. „Nightswimming“ trägt allein Mike Mills’ Klavier, „Man on the Moon“ ist eine Verbeugung vor dem Komiker Andy Kaufman. Vieles auf dem Album handelt von Vergänglichkeit, Erinnerung und Trost.
Automatic for the People erschien im Oktober 1992, kam in Großbritannien auf Platz eins und in den USA auf Platz zwei. Sechs Singles wurden ausgekoppelt, „Everybody Hurts“ wurde für viele Menschen zu einem Lied, das in schweren Zeiten hilft. Wieder gingen R.E.M. nicht auf Tournee.
1994–2011
05 Zu dritt
Mit dem lauten Monster kehrten R.E.M. 1994 auf die Bühne zurück; „Let Me In“ ist dem kurz zuvor gestorbenen Kurt Cobain gewidmet. Auf der Tournee 1995 brach Bill Berry mit einem Aneurysma zusammen. Er erholte sich, verließ die Band aber 1997, um ein ruhigeres Leben zu führen.
Auf New Adventures in Hi-Fi von 1996 singt Patti Smith in „E-Bow the Letter“ mit. Buck, Mills und Stipe machten zu dritt weiter, 2007 wurden R.E.M. in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen. Nach dem Album Collapse into Now gaben sie am 21. September 2011 ihre Auflösung bekannt.
2011–heute
06 Was bleibt
Die Band blieb bei ihrem Entschluss und kam nicht wieder zusammen. 2024 standen alle vier bei ihrer Aufnahme in die Songwriters Hall of Fame noch einmal gemeinsam auf der Bühne und spielten „Losing My Religion“.
R.E.M. zeigten einer ganzen Generation, dass eine Band aus der Provinz mit eigenem Kopf die Welt erreichen kann. Automatic for the People gilt bis heute als ihr schönstes Album.
Hörtipp
Automatic for the People ist ein Album für den späten Abend, wenn es draußen dunkel ist und die Runde leiser wird – spätestens bei „Nightswimming“ sagt niemand mehr etwas. Zur Album-Story →
Das Album bei Musik Ungestört
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John Paul Jones, der Bassist von Led Zeppelin, schrieb die Streicherarrangements für vier Songs auf Automatic for the People.
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Kurt Cobain bewunderte R.E.M.; auf Monster widmeten sie ihm 1994 den Song „Let Me In“.
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