Künstlerporträt
Talk Talk
Eine Synthiepop-Band, die sich Schritt für Schritt der Stille zuwandte und dabei eine Musik erfand, für die es noch keinen Namen gab.
Talk Talk begannen als Synthiepop-Band mit Radiohits und endeten mit Alben, die eher an Jazz, Kirchenmusik und Improvisation erinnern. Den Weg bestimmte Sänger Mark Hollis, der immer weniger Wert auf Erfolg und immer mehr auf Raum, Stille und Zufall legte. Mit Spirit of Eden legte sich die Band 1988 mit ihrer Plattenfirma an und schuf zugleich eine Blaupause für das, was später Post-Rock heißen sollte. Heute gelten ihre späten Alben als Klassiker, die man eher erlebt als nebenbei hört.
In diesem Porträt
1955–1981
01 Anfänge in London
Mark Hollis wurde am 4. Januar 1955 in Tottenham im Norden Londons geboren. Sein älterer Bruder Ed arbeitete in der Musikbranche, unter anderem als Manager der Band Eddie and the Hot Rods.
1981 gründete Hollis Talk Talk mit dem Bassisten Paul Webb, dem Schlagzeuger Lee Harris und dem Keyboarder Simon Brenner. Die Band unterschrieb bei EMI.
1982–1985
02 Synthiepop
Das Debüt The Party’s Over erschien 1982, mit den Singles „Talk Talk“ und „Today“. Die Band ging als Vorgruppe von Duran Duran auf Tour und wurde anfangs oft mit ihnen verglichen.
Nach Brenners Ausstieg kam Tim Friese-Greene als Produzent und Keyboarder dazu und wurde zum wichtigsten Partner von Hollis. It’s My Life von 1984 brachte mit dem Titelstück und „Such a Shame“ Hits, die in Kontinentaleuropa, auch in Deutschland, besser liefen als in Großbritannien.
1986
03 The Colour of Spring
The Colour of Spring klang wärmer und organischer, mit Orgel, Gitarren und vielen Gastmusikern. Mit „Life’s What You Make It“ und „Living in Another World“ kam das Album in die britischen Top Ten, es wurde ihr größter Erfolg in der Heimat.
Im selben Jahr ging die Band auf ihre letzte Tournee, unter anderem mit einem Auftritt beim Jazzfestival in Montreux. Danach spielte Talk Talk nie wieder live.
1987–1988
04 Spirit of Eden
Mit einem großzügigen Budget von EMI zog sich die Band von Mai 1987 bis März 1988 in die Wessex Studios in London zurück. Das Studio war abgedunkelt, nur Kerzen, Öl-Projektoren und Stroboskope sorgten für Licht. Hollis und Friese-Greene ließen Gastmusiker stundenlang improvisieren und setzten aus den besten Momenten die Stücke zusammen – mit Mark Felthams Mundharmonika, Nigel Kennedys Geige und dem Chor der Kathedrale von Chelmsford.
Spirit of Eden erschien am 12. September 1988: sechs lange Stücke, darunter „The Rainbow“, „Eden“ und „I Believe in You“, voller Pausen, leiser Passagen und plötzlicher Ausbrüche. EMI fand keine Single darauf, das Album erreichte Platz 19 in Großbritannien. Die Band trennte sich im Streit vom Label, das vor Gericht zog und verlor. Heute gilt Spirit of Eden als eines der einflussreichsten Alben seines Jahrzehnts.
1988–1991
05 Laughing Stock
Paul Webb verließ die Band nach Spirit of Eden. EMI brachte 1990 die Hitsammlung Natural History heraus, die sich besser verkaufte als alles, was die Band zuletzt veröffentlicht hatte.
Beim Label Verve, das zu Polydor gehörte, erschien 1991 Laughing Stock, noch reduzierter und stiller als sein Vorgänger. Danach löste sich Talk Talk auf.
1991–heute
06 Was bleibt
Mark Hollis veröffentlichte 1998 ein einziges Soloalbum und zog sich danach vollständig aus der Musik zurück. Er starb im Februar 2019 mit 64 Jahren. Paul Webb machte unter dem Namen Rustin Man 2002 ein Album mit Beth Gibbons von Portishead.
Als der Kritiker Simon Reynolds 1994 den Begriff Post-Rock prägte, galten Talk Talk als Vorläufer. Bands wie Sigur Rós und Radiohead nannten ihre späten Alben als Einfluss, und 2003 machte No Doubt „It’s My Life“ mit einer Coverversion noch einmal zum Hit.
Hörtipp
Spirit of Eden verlangt Ruhe und etwas Lautstärke zugleich – ein Album für einen dunklen Abend, an dem niemand spricht und die leisen Stellen genauso zählen wie die lauten. Zur Album-Story →
Das Album bei Musik Ungestört
Weiterhören
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Portishead
Dummy
1994rund 43 Minuten
Talk-Talk-Bassist Paul Webb nahm 2002 als Rustin Man ein gemeinsames Album mit Portishead-Sängerin Beth Gibbons auf.
Zur Album-Story → -
Künstlerporträt
Radiohead
3 Alben auf dieser Seite
Radiohead gehören zu den Bands, auf die Spirit of Eden großen Einfluss hatte.
Zum Porträt →
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