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Liebeserklärung Nr. 4 von 9

An einen Plattenladen.

Man geht mit einer Idee hinein und mit einer anderen Platte heraus.

3 Minuten Lesezeit · Kisten, Finger, Empfehlungen

Zeichnung einer Holzkiste voller Schallplatten, aus der eine Hülle mit rotem Herz herausgezogen wird
die beste Platte steht immer ganz hinten.

In einem Plattenladen gibt es keine Suchleiste. Es gibt Kisten. Man stellt sich davor und blättert, eine Hülle nach der anderen, mit dem Zeigefinger. Dieses leise Klacken, wenn die Pappe nach vorne fällt.

Man sucht etwas Bestimmtes und findet es nicht. Dafür bleibt der Finger an einem Cover hängen, das man noch nie gesehen hat. Man zieht es heraus, dreht es um, liest die Rückseite. Und steht zwanzig Minuten später an der Kasse, mit etwas völlig anderem.

Ein Mensch statt einer Formel

Hinter der Theke steht jemand, der zuhört. Man sagt, was man mag, und bekommt nicht das Nächstähnliche, sondern etwas, das daneben liegt. Vielleicht passt es nicht. Vielleicht wird es die Platte des Jahres.

Der Algorithmus zu Hause empfiehlt mir, was ich schon kenne. Der Mensch im Laden empfiehlt mir, was ich noch nicht kenne. Das ist der ganze Unterschied.

Und man ist nicht allein. Neben einem blättert jemand in derselben Kiste. Manchmal sagt einer: Die ist gut. Mehr braucht es nicht für ein Gespräch.

Was man nach Hause trägt

Eine Platte aus dem Laden hat eine Geschichte, bevor sie zum ersten Mal läuft. Ich weiß, wo ich sie gefunden habe. Wer daneben stand. Was draußen für Wetter war.

Bei meinen Hörabenden sucht die Runde das Album aus. Wenn es eines ist, das jemand vor Jahren in einem Laden gefunden hat, gibt es die Geschichte gratis dazu.

Ich bin mit einer Idee hineingegangen.

Und mit einer anderen Platte heraus.

Marcel

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