Künstlerporträt
D’Angelo
Ein Soulsänger aus Virginia, der sich Zeit ließ wie kaum ein anderer – und dafür Alben schuf, die nach lebendiger Band atmen.
D’Angelo verband Gospel, Soul, Funk und Hip-Hop zu einem warmen, schleppenden Klang, der Mitte der Neunziger als Neo-Soul bekannt wurde. Er veröffentlichte in dreißig Jahren nur drei Studioalben, jedes davon ein Ereignis. Voodoo entstand in langen Jamsessions in Jimi Hendrix’ altem Studio und klingt bis heute wie eine Band, die gemeinsam atmet. Als er 2025 starb, verlor der Soul eine seiner prägenden Stimmen.
In diesem Porträt
1974–1993
01 Richmond
Michael Eugene Archer wurde am 11. Februar 1974 in Richmond, Virginia, geboren. Sein Vater war Pfingstprediger, und der Sohn spielte schon als Kind Klavier in der Kirche.
Als Teenager gewann er mit seiner Gruppe mehrfach den berühmten Amateur-Wettbewerb im Apollo Theater in Harlem. Bald darauf bekam er einen Vertrag als Songschreiber.
1994–1997
02 Brown Sugar
1994 schrieb und produzierte er „U Will Know“ für das Projekt Black Men United, einen Top-Ten-Hit der R&B-Charts.
Im Juli 1995 erschien sein Debüt Brown Sugar, großenteils von ihm selbst gespielt und produziert. Es knüpfte an Marvin Gaye, Al Green und Prince an und wurde mit Platin ausgezeichnet. Mit ihm begann eine neue Welle handgemachter Soulmusik.
1998–2000
03 Voodoo
Für das zweite Album zog D’Angelo sich für lange Sessions in die Electric Lady Studios in New York zurück, die Jimi Hendrix gegründet hatte. Mit dem Schlagzeuger Questlove von The Roots, dem Bassisten Pino Palladino, dem Keyboarder James Poyser, dem Trompeter Roy Hargrove und dem Gitarristen Charlie Hunter spielte er tagelang, schaute alte Konzertfilme von James Brown und Marvin Gaye und ließ die Bänder laufen. Toningenieur Russell Elevado gab dem Ganzen den warmen, analogen Klang.
Voodoo erschien am 25. Januar 2000 und stieg auf Platz eins der US-Charts ein. Stücke wie „Devil’s Pie“, „Spanish Joint“, „Send It On“ und „Untitled (How Does It Feel)“ laufen leicht hinter dem Takt, als hätten sie alle Zeit der Welt. 2001 gewann das Album den Grammy als bestes R&B-Album.
2000–2013
04 Rückzug
Die Tournee zu Voodoo war ein großer Erfolg, doch der Rummel um seine Person setzte ihm zu. D’Angelo zog sich aus der Öffentlichkeit zurück.
Mehr als ein Jahrzehnt lang erschien kein neues Album. Gerüchte über neue Aufnahmen gab es immer wieder, zu hören war wenig.
2014–2015
05 Black Messiah
Am 15. Dezember 2014 erschien überraschend Black Messiah, aufgenommen mit seiner Band The Vanguard, darunter wieder Pino Palladino und der Schlagzeuger Chris Dave. Das Album war politischer und rauer als seine Vorgänger.
Es wurde begeistert aufgenommen und gewann 2016 erneut den Grammy als bestes R&B-Album.
2016–2025
06 Was bleibt
D’Angelo starb am 14. Oktober 2025 in New York, mit 51 Jahren, an Krebs.
Sein Einfluss reicht weit: Viele Musikerinnen und Musiker, vom Neo-Soul bis zum heutigen R&B, berufen sich auf seine Art, Groove, Gesang und Bandgefühl zu verbinden. Voodoo gilt als Maßstab für Soul, der gespielt statt programmiert klingt.
Hörtipp
Voodoo braucht einen späten, entspannten Abend und eine gute Anlage – man sollte die Bässe spüren und den Musikern Zeit lassen, sich in ihren Groove fallen zu lassen. Zur Album-Story →
Das Album bei Musik Ungestört
Weiterhören
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Lauryn Hill
The Miseducation of Lauryn Hill
1998rund 78 Minuten
D’Angelo singt auf Lauryn Hills Album das Duett „Nothing Even Matters“.
Zur Album-Story → -
Künstlerporträt
Jimi Hendrix
1 Album auf dieser Seite
Voodoo entstand in den Electric Lady Studios, die Jimi Hendrix 1970 in New York eröffnet hatte.
Zum Porträt →
D’Angelo gemeinsam hören
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