Künstlerporträt
Herbie Hancock
Ein Jazzpianist, der mit Miles Davis den Jazz veränderte und danach Funk, Elektronik und sogar Hip-Hop in seine Musik holte.
Herbie Hancock ist einer der vielseitigsten Musiker des Jazz. Er spielte in der zweiten großen Band von Miles Davis, schrieb Standards wie „Watermelon Man“ und „Maiden Voyage“ und hatte keine Scheu vor Synthesizern, Funkgrooves und Drumcomputern. Mit Head Hunters erreichte er 1973 ein Publikum, das sonst keine Jazzplatten kaufte. Neugier ist bis heute der rote Faden seiner Laufbahn.
In diesem Porträt
1940–1962
01 Chicago
Herbie Hancock wurde am 12. April 1940 in Chicago geboren. Mit sieben Jahren begann er Klavier zu spielen, mit elf trat er als Solist mit dem Chicago Symphony Orchestra in einem Mozart-Konzert auf.
Am Grinnell College studierte er Elektrotechnik und Musik. Der Trompeter Donald Byrd holte ihn nach New York, und 1962 erschien bei Blue Note sein erstes Album Takin’ Off mit „Watermelon Man“, das der Perkussionist Mongo Santamaría bald darauf zum Hit machte.
1963–1968
02 Mit Miles Davis
Im Mai 1963 holte ihn Miles Davis in sein neues Quintett, mit Ron Carter am Bass und Tony Williams am Schlagzeug, später kam Wayne Shorter dazu. Diese Band löste die Regeln des Zusammenspiels auf und gilt als eine der besten der Jazzgeschichte.
Nebenbei nahm Hancock eigene Alben auf. Auf Empyrean Isles von 1964 steht „Cantaloupe Island“, 1965 folgte Maiden Voyage. 1966 schrieb er die Musik zu Michelangelo Antonionis Film Blow Up.
1969–1973
03 Mwandishi
Nach seiner Zeit bei Davis gründete er ein eigenes Sextett. Unter dem Namen Mwandishi nahm es ab 1971 frei fließende, elektrische Musik auf, in der Synthesizer eine immer größere Rolle spielten.
Die Platten wurden von Musikern bewundert, verkauften sich aber schlecht. Hancock spürte, dass er etwas Leichteres, Erdigeres machen wollte – und hörte viel Funk, vor allem Sly Stone.
1973
04 Head Hunters
Im September 1973 ging Hancock in San Francisco mit einer neuen Band ins Studio: Bennie Maupin an Saxofon und Bassklarinette, Paul Jackson am Bass, Harvey Mason am Schlagzeug und Bill Summers an der Perkussion. Er selbst spielte Fender Rhodes, Clavinet und Synthesizer. Das Album hat nur vier Stücke. „Chameleon“ beginnt mit einer Basslinie, die Hancock auf einem ARP-Odyssey-Synthesizer spielte, „Sly“ ist Sly Stone gewidmet.
Für die Neufassung von „Watermelon Man“ blies Bill Summers über Bierflaschen und ahmte so eine Musik aus Zentralafrika nach. Head Hunters erschien im Oktober 1973, kam in den USA auf Platz 13 der Albumcharts und war bis 1976 das meistverkaufte Jazzalbum. 2008 wurde es in das nationale Tonarchiv der Library of Congress aufgenommen.
1974–1999
05 Rockit
Hancock pendelte fortan zwischen akustischem Jazz und elektrischer Popmusik. 1983 erschien „Rockit“, ein instrumentaler Elektrotrack mit Scratching von Grand Mixer D.ST. Das Video lief auf MTV, der Song wurde zur Hymne der Breakdancer und brachte ihm einen Grammy.
Für den Film ’Round Midnight erhielt er 1987 den Oscar für die beste Filmmusik. Sein Stück „Cantaloupe Island“ lebte 1993 in „Cantaloop“ von Us3 wieder auf.
2000–heute
06 Was bleibt
Mit River: The Joni Letters, einem Album mit Liedern von Joni Mitchell, gewann Hancock 2008 den Grammy für das Album des Jahres – als zweites Jazzalbum überhaupt. Gastsängerinnen waren unter anderen Norah Jones und Tina Turner.
Seit 2011 ist er Botschafter der UNESCO, 2013 erhielt er die Kennedy Center Honors. Er unterrichtet an der UCLA in Los Angeles und leitet ein Institut, das junge Jazzmusiker fördert.
Hörtipp
Head Hunters eignet sich für einen Abend, an dem nicht nur Jazzfreunde im Raum sind – die Grooves holen alle ab, und die langen Soli laden zum genauen Hinhören ein. Zur Album-Story →
Das Album bei Musik Ungestört
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Miles Davis
2 Alben auf dieser Seite
Herbie Hancock spielte von 1963 bis 1968 Klavier im zweiten großen Quintett von Miles Davis.
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Joni Mitchell
1 Album auf dieser Seite
Mit River: The Joni Letters widmete Hancock 2007 ein ganzes Album den Liedern von Joni Mitchell, mit der er schon früher gearbeitet hatte.
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