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Künstlerporträt

Joni Mitchell

Eine Malerin, die Songs schreibt – mit eigenen Gitarrenstimmungen, eigenen Harmonien und einer Offenheit, die es so vorher nicht gab.

Joni Mitchell hat das Singer-Songwriter-Lied weiter getrieben als fast alle ihre Zeitgenossen. Sie erfand Dutzende eigene Gitarrenstimmungen, schrieb Melodien, die sich keinem Schema fügen, und später holte sie den Jazz in ihre Musik. Ihre Texte sind so persönlich, dass sie beim Hören manchmal fast zu nah wirken. Viele Musikerinnen und Musiker nach ihr, von Prince bis Taylor Swift, nennen sie als eine ihrer wichtigsten Vorbilder.

In diesem Porträt

  1. 01Prärie 1943–1964
  2. 02Songs für andere 1965–1968
  3. 03Laurel Canyon 1969–1970
  4. 04Blue 1971
  5. 05Jazz 1972–1979
  6. 06Späte Jahre 1980–heute

1943–1964

01 Prärie

Roberta Joan Anderson wurde am 7. November 1943 in Fort Macleod in der kanadischen Provinz Alberta geboren und wuchs in Saskatchewan auf, in der Weite der Prärie. Sie malte, bevor sie Musik machte, und studierte später Kunst in Calgary.

Die Gitarre brachte sie sich mit einem Lehrbuch selbst bei. Mitte der Sechziger spielte sie in Folkclubs in Toronto. Den Nachnamen Mitchell behielt sie aus einer kurzen Ehe.

1965–1968

02 Songs für andere

Über Detroit kam sie nach New York. Ihre Lieder waren oft bekannter als sie selbst: „Both Sides, Now“ wurde durch Judy Collins ein Hit, „The Circle Game“ sangen gleich mehrere Kollegen.

1968 erschien ihr erstes Album, produziert von David Crosby. Joni Mitchell zog nach Los Angeles, in den Laurel Canyon, wo damals viele Musiker wohnten.

1969–1970

03 Laurel Canyon

Clouds brachte ihr 1969 einen Grammy. Ihr Lied „Woodstock“ über das Festival, bei dem sie selbst gar nicht war, wurde in der Fassung von Crosby, Stills, Nash & Young berühmt.

Ladies of the Canyon von 1970 enthält „Big Yellow Taxi“, einen der ersten Popsongs über Umweltzerstörung. Danach zog sie sich eine Weile zurück und reiste durch Europa.

1971

04 Blue

Cover von Blue
Blue · 1971

Blue erschien im Juni 1971. Joni Mitchell begleitet sich darauf mit Gitarre, Klavier und einem Appalachen-Dulcimer, einem zitherartigen Instrument, das sie auf Reisen spielte. James Taylor und Stephen Stills sind auf einigen Stücken zu hören, doch im Zentrum stehen ihre Stimme und ihre Texte.

Die Lieder erzählen von Liebe, Sehnsucht und Einsamkeit, ohne sich hinter Bildern zu verstecken. „A Case of You“, „River“ und „California“ gehören zu ihren bekanntesten Stücken. Viele Kritiker zählen Blue heute zu den besten Alben überhaupt.

1972–1979

05 Jazz

Mit Court and Spark wurde sie 1974 so erfolgreich wie nie. Immer mehr Jazzmusiker spielten auf ihren Platten, und ihre Songs wurden länger, offener und rhythmisch freier.

Auf Hejira von 1976 prägt der Bassist Jaco Pastorius den Klang. 1979 folgte ein Album gemeinsam mit dem Jazzbassisten Charles Mingus, der kurz vor der Veröffentlichung starb. Viele Popfans wandten sich ab, viele Jazzmusiker wurden zu Bewunderern.

1980–heute

06 Späte Jahre

Joni Mitchell veröffentlichte bis in die Nullerjahre Alben und malte weiter; viele ihrer Plattencover zeigen ihre eigenen Bilder.

Nach langer Pause stand sie 2022 überraschend beim Newport Folk Festival auf der Bühne. 2023 erhielt sie den Gershwin-Preis der amerikanischen Library of Congress für ihr Lebenswerk.

Hörtipp

Blue ist ein Album für einen ruhigen Abend in kleiner Runde. Am schönsten wirkt es, wenn niemand redet und die Texte Raum bekommen. Zur Album-Story →

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