Künstlerporträt
Sufjan Stevens
Ein Liedermacher aus Michigan, der zwischen Banjo, Bläsern und Elektronik pendelt und in leisen Songs von Glauben, Familie und Verlust erzählt.
Sufjan Stevens ist schwer auf einen Stil festzulegen: Er hat üppige Orchesteralben über amerikanische Bundesstaaten gemacht, verspielte Elektronik, Weihnachtslieder und Filmmusik. Was alles verbindet, ist seine sanfte, oft gehauchte Stimme und ein genauer Blick auf Menschen und Orte. Viele seiner Lieder kreisen um Kindheit, Glauben und die Frage, wie man mit Verlust weiterlebt. Sein Album Carrie & Lowell, fast nur mit Gitarre, Klavier und Stimme, gilt als eines der eindringlichsten Trauer-Alben der letzten Jahrzehnte.
In diesem Porträt
1975–1999
01 Michigan
Sufjan Stevens wurde am 1. Juli 1975 in Detroit geboren. Als er neun war, zog die Familie in den Norden von Michigan, nach Alanson. Er besuchte unter anderem die Interlochen Arts Academy, eine Kunstschule am See.
Am Hope College in Holland, Michigan, spielte er in der Folkrock-Band Marzuki. Nach dem Studium ging er nach New York und machte dort an der New School einen Master in kreativem Schreiben.
2000–2004
02 Ein eigenes Label
Gemeinsam mit seinem Stiefvater Lowell Brams gründete er das kleine Label Asthmatic Kitty. Dort erschienen 2000 sein Debüt A Sun Came und 2001 Enjoy Your Rabbit, ein instrumentales Elektronikalbum über die Tiere des chinesischen Tierkreises.
Mit Michigan wurde er 2003 bekannt: ein Album voller Banjo, Bläser und Ortsnamen, verbunden mit der Ankündigung, er wolle jedem Bundesstaat der USA ein eigenes Album widmen. 2004 folgte das stillere Seven Swans, auf dem sein christlicher Glaube offen hörbar wird.
2005–2011
03 Illinois und die Elektronik
Illinois erschien 2005 und wurde sein Durchbruch. Das Album verbindet Kammerorchester, Chöre und Folk, Lieder wie „Chicago“ und „Casimir Pulaski Day“ wurden zu seinen bekanntesten. Das Fünfzig-Staaten-Projekt bezeichnete er später selbst als Scherz – es blieb bei zwei Staaten.
Zwischendurch veröffentlichte er Sammlungen selbst aufgenommener Weihnachtslieder. 2010 überraschte The Age of Adz mit elektronischen Klängen und Chaos, inspiriert vom Außenseiterkünstler Royal Robertson; das Schlussstück „Impossible Soul“ dauert rund 25 Minuten.
2012–2015
04 Carrie & Lowell
Seine Mutter Carrie starb 2012. Sie hatte die Familie verlassen, als er etwa ein Jahr alt war; näher kam er ihr nur in einigen Sommern seiner Kindheit, die er bei ihr und ihrem damaligen Mann Lowell Brams in Oregon verbrachte. 2014 nahm Stevens an mehreren Orten, unter anderem in Portland, Lieder über diese Erinnerungen auf. Koproduzent war Thomas Bartlett, als Gäste sind unter anderem Sean Carey und Laura Veirs zu hören.
Carrie & Lowell erschien am 31. März 2015. Die Musik ist sparsam, meist nur Fingerpicking-Gitarre, Klavier und mehrstimmig geschichtete Stimme. Songs wie „Death with Dignity“, „Should Have Known Better“, „Eugene“ und „Fourth of July“ erzählen von Erinnerungen, Schuld und Trost. Das Album stieg auf Platz 10 der US-Charts ein, sein bis dahin bester Wert, und landete auf zahlreichen Jahresbestenlisten.
2016–2022
05 Neue Wege
2017 veröffentlichte er mit Bryce Dessner von The National, Nico Muhly und James McAlister das Weltraum-Album Planetarium. Für den Film Call Me by Your Name schrieb er Lieder, „Mystery of Love“ wurde 2018 für den Oscar nominiert.
The Ascension von 2020 war wieder elektronisch, dicht und nachdenklich – ein langes Album über Zweifel und Zuversicht in unruhigen Zeiten.
2023–heute
06 Späte Jahre
Im Herbst 2023 erschien Javelin, eine Rückkehr zu intimem Folk mit Chören. Er widmete es seinem Partner, der im Frühjahr gestorben war. Kurz zuvor hatte Stevens öffentlich gemacht, dass er wegen einer Nervenerkrankung wieder laufen lernen musste.
2024 kam Illinoise auf die Bühne, ein Tanztheaterstück zu den Liedern von Illinois. Es lief am Broadway in New York und erhielt einen Tony Award für die Choreografie.
Hörtipp
Carrie & Lowell braucht Stille und ein gedämpftes Licht – ein Album für einen späten Abend in kleiner Runde, bei dem man sich auf leise Stimmen einlässt. Zur Album-Story →
Das Album bei Musik Ungestört
Weiterhören
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Bon Iver
For Emma, Forever Ago
2007rund 37 Minuten
Sean Carey, Schlagzeuger und Sänger bei Bon Iver, singt und spielt auf Carrie & Lowell mit.
Zur Album-Story → -
The National
Boxer
2007rund 43 Minuten
Sufjan Stevens spielt auf Boxer von The National bei zwei Stücken Klavier – die Brüder Dessner sind seit Langem enge Weggefährten.
Zur Album-Story →
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