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Aus dem Plattenregal7 Minuten Lesezeit

Schnell aufgenommen: 10 Alben, die in wenigen Tagen entstanden sind

Manche Alben brauchten Jahre im Studio. Andere waren nach zwei Nachmittagen fertig.

Zehn Platten aus dem Plattenregal, die in Stunden, an einem Tag oder in wenigen Tagen aufgenommen wurden, von 1959 bis 1997. Bei allen steht die kurze Aufnahmezeit in der Album-Story. Man hört ihnen die Eile nicht als Mangel an, sondern als Zusammenhang: Was in einem Zug entsteht, will auch in einem Zug gehört werden.

  • Albenzehn
  • Aufnahmezeitein Abend bis sechs Tage
  • Zeitraum1959 bis 1997
  • Am bestenam Stück

Steckbrief

Thema
schnell aufgenommene Alben
Epoche
1959 bis 1997
Genres
Jazz, Blues, Rock, Folk, Son
Auf Band
auf Wunsch jedes davon

„Alles war, glaube ich, der erste oder zweite Take.“

Chris Layton über die Aufnahmen zu Texas Flood

In diesem Artikel

  1. 01Was schnelle Aufnahmen hörbar macht
  2. 02Zehn Alben aus wenigen Tagen
  3. 03Wie man ein schnell aufgenommenes Album hört
  4. 04Häufig gefragt

01Was schnelle Aufnahmen hörbar macht

Eine Tonbandmaschine mit schnell drehenden Spulen, darüber ein Abreißkalender mit wenigen Blättern und eine Stoppuhr; aus der Maschine ragt ein Band mit der Aufschrift Take 1.
Wenige Tage, ein Band, kaum ein zweiter Versuch.

Wenn eine Band nur wenige Tage im Studio hat, spielt sie meist zusammen in einem Raum, und vieles bleibt beim ersten oder zweiten Versuch. Das hört man: Die Musiker reagieren aufeinander, statt Spur für Spur nachzubessern. Aus dieser Situation sind Platten entstanden, die ihre Gattung bis heute prägen.

In diese Liste kam nur, was die jeweilige Album-Story belegt: zwei Nachmittage, ein Tag, drei Wochenenden, sechs Tage. Die Reihenfolge folgt dem Erscheinungsjahr. Nur eine Platte ist ein Konzertmitschnitt, und sie steht als Grenzfall hier: ein einziger Abend.

02Zehn Alben aus wenigen Tagen

  1. 1. Kind of Blue (Miles Davis, 1959)

    Aufgenommen an zwei Tagen, dem 2. März und dem 22. April 1959, mit insgesamt neun Stunden Studiozeit. Miles Davis brachte Skizzen mit, Tonleitern und ein paar mündliche Anweisungen, aber keine Arrangements im üblichen Sinn. Fünf Stücke, keines unter fünf Minuten, und am Ende „Flamenco Sketches“, das keine feste Länge hat: Es endet, wenn alle Solisten durch sind.

  2. 2. A Love Supreme (John Coltrane, 1965)

    Die ganze Suite entstand an einem einzigen Tag, dem 9. Dezember 1964, im Van Gelder Studio in New Jersey; an mehreren Stellen wurde später ergänzt. Produzent Bob Thiele erinnerte sich: „Es war nichts ausgeschrieben.“ Vier Sätze in knapp 33 Minuten, von der drängenden Anrufung bis zum stillen „Psalm“, kurz genug, um ganz gehört zu werden, und zu geschlossen, um zerschnitten zu werden.

  3. 3. Blues Breakers with Eric Clapton (John Mayall & the Bluesbreakers, 1966)

    Die Soli wurden bis auf wenige Ausnahmen live eingespielt, in wenigen Tagen und auf Vierspur-Technik. Der Plan war, die Band so festzuhalten, wie sie in den Londoner Clubs klang; Eric Clapton drehte seinen Verstärker so laut, dass man ihn zur Wand drehen musste. Zwölf Stücke in rund 37 Minuten, das Bühnenprogramm einer Band, am Stück wie ein Clubabend.

  4. 4. Bitches Brew (Miles Davis, 1970)

    Drei Vormittage im August 1969, dreizehn Musiker, von denen sich manche kaum kannten, keine Noten. Schlagzeuger Lenny White: „Von 10 Uhr bis 13 Uhr, drei Tage lang.“ Produzent Teo Macero schnitt aus den Bändern sechs Stücke, die es in dieser Form nie live gab. Weil alle aus demselben Rohmaterial stammen, klingt das Album wie ein einziges großes Stück, und so sollte man es auch hören.

  5. 5. Paranoid (Black Sabbath, 1970)

    Acht Stücke, drei Tage Studiozeit; manche Quellen sprechen sogar nur von zwei. Weil noch gut drei Minuten fehlten, schrieb die Band den Titelsong in einer Mittagspause, Text und Musik in etwa zwei Stunden. Die Eile hört man bis heute, und sie hält die Platte zusammen, von „War Pigs“ bis zum dunklen zweiten Teil.

  6. 6. Pink Moon (Nick Drake, 1972)

    Aufgenommen an zwei späten Abenden im Oktober 1971 im Studio Sound Techniques in London. Im Raum waren nur Nick Drake und John Wood, ein Toningenieur, der ihn seit Jahren kannte, und ein eigener Produzent war gar nicht vorgesehen. Gitarre und Gesang entstanden jeweils in derselben Aufnahme. In zwei Nächten lässt sich kein aufwendiges Album bauen, und genau diese Gleichmäßigkeit trägt die 28 Minuten.

  7. 7. The Köln Concert (Keith Jarrett, 1975)

    Der Grenzfall dieser Liste: ein einziger Abend in Echtzeit. Das Konzert in der Oper Köln begann am 24. Januar 1975 um 23.30 Uhr, auf einem Flügel, auf dem Keith Jarrett eigentlich nicht spielen wollte. Die Musik steht in der Reihenfolge, in der sie entstanden ist; es gibt keine zweite Aufnahme, aus der man hätte wählen können. Rund 66 Minuten, die man nur am Stück hören kann.

  8. 8. Unknown Pleasures (Joy Division, 1979)

    Zehn Stücke, drei Wochenenden im April 1979 in den Strawberry Studios in Stockport; an den ersten beiden spielte die Band von Freitagabend bis Samstagmorgen die Grundspuren ein. Produzent Martin Hannett ließ den Schlagzeuger sein Set Trommel für Trommel zerlegen, auf der Suche nach einem Rasseln, das nur er hören wollte. Weil alles durch dieselbe Hand ging, klingt das Album aus einem Guss, 39 Minuten lang.

  9. 9. Texas Flood (Stevie Ray Vaughan and Double Trouble, 1983)

    Jackson Browne bot der Band sein Studio in Los Angeles an, kostenlos. Drei Tage waren gebucht, der erste ging für den Aufbau drauf; am zweiten entstanden zwei Songs, am dritten acht. Schlagzeuger Chris Layton: „Alles war, glaube ich, der erste oder zweite Take.“ Eigentlich sollte es nur eine Demo sein, und genau so direkt klingen die 38 Minuten.

  10. 10. Buena Vista Social Club (Buena Vista Social Club, 1997)

    Sechs Tage im EGREM-Studio in Havanna im März 1996, vierzehn Stücke, eine Band, die es vorher so nicht gab. Eigentlich sollten Musiker aus Mali mitspielen, doch sie bekamen keine Visa; Ibrahim Ferrer verdiente sein Geld damals als Schuhputzer, als man ihn für die Boleros ins Studio holte. Rund sechzig Minuten, erst tanzbar, dann immer näher und ruhiger, bis zu „La bayamesa“ von 1918 am Schluss.

03Wie man ein schnell aufgenommenes Album hört

Am besten so, wie es entstanden ist: in einem Zug. Wer die Platte in einzelne Songs zerlegt, verliert genau das, was sie ausmacht, den gemeinsamen Atem der Musiker. Wie so ein Abend zu Hause gelingt, steht im Artikel Listening Session selbst veranstalten.

Weitere Listen aus dem Plattenregal: Kurze Alben: 10 Platten unter 40 Minuten und Bluesalben für Einsteiger. Alle Platten mit ihren Geschichten finden Sie unter Alben.

Auf Band

Ein Album in einem Zug, bei Ihnen zu Hause

Auch auf Tonband läuft ein Album in einem Zug durch. Das kann eines dieser zehn sein. Bei einem Hörabend wählen Sie das Album, ich überspiele es auf Band und bringe die Bandmaschine zu Ihnen: zu zweit, zu viert oder für eine größere Runde. Wie so ein Abend abläuft, steht auf der Seite Listening Session.

04Häufig gefragt

Welches Album wurde an einem einzigen Tag aufgenommen?

Zum Beispiel „A Love Supreme“ von John Coltrane: Die ganze Suite entstand am 9. Dezember 1964 im Van Gelder Studio, an mehreren Stellen wurde später ergänzt. „Kind of Blue“ von Miles Davis brauchte zwei Tage mit insgesamt neun Stunden Studiozeit.

Klingen schnell aufgenommene Alben schlechter?

Nicht unbedingt. Oft klingen sie direkter, weil die Band gemeinsam in einem Raum spielt und vieles beim ersten oder zweiten Versuch bleibt, wie bei „Texas Flood“ von Stevie Ray Vaughan.

Kann ich eines dieser Alben bei einem Hörabend hören?

Ja. Sie wählen das Album, ich überspiele es auf Band und bringe die Anlage zu Ihnen.

Ein Album in einem Zug hören

Eines dieser zehn Alben, oder jedes andere, auf Band und bei Ihnen zu Hause. Zu zweit, zu viert oder mit Freunden. Auch als Gutschein.

Termin anfragen → So läuft eine Session →

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Das Plattenregal

Alle Alben mit ihren Geschichten, sortiert nach Jahrzehnt, Genre und Form. Zum Plattenregal →

Angaben zu Aufnahmedaten und -dauer nach den verlinkten Album-Storys; dort stehen auch die Quellen und abweichende Angaben.

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