Künstlerporträt
Tom Waits
Ein Geschichtenerzähler mit Reibeisenstimme, der vom Barpianisten zum Klangbastler wurde und dabei die Außenseiter nie aus den Augen verlor.
Tom Waits singt von Nachtschwärmern, Seeleuten, Trinkern und Menschen am Rand der Stadt, und seine Stimme klingt, als hätte sie all das selbst erlebt. In den Siebzigern war er der melancholische Barpianist aus Los Angeles. In den Achtzigern erfand er sich mit seiner Frau Kathleen Brennan neu, mit Marimbas, Blechbläsern, schepperndem Schlagwerk und Gitarren, die wie aus einem alten Radio klingen. Dazu kommt eine zweite Karriere als Schauspieler. Rain Dogs ist das Album, auf dem alle Seiten von Tom Waits zusammenkommen.
In diesem Porträt
1949–1972
01 Pomona und San Diego
Tom Waits wurde am 7. Dezember 1949 in Pomona, Kalifornien, geboren und wuchs im Großraum Los Angeles und später bei San Diego auf. Als Jugendlicher arbeitete er in einer Pizzeria in National City und hörte den Gästen zu – viele seiner späteren Figuren haben dort ihren Ursprung.
Er las die Autoren der Beat-Generation, hörte Jazz und alte Balladen und begann, in kleinen Clubs mit eigenen Songs aufzutreten.
1973–1980
02 Der Barpianist
Sein erstes Album Closing Time erschien 1973 beim Label Asylum. Die Eagles nahmen daraus „Ol’ ’55“ für ihr Album On the Border auf, was Waits Geld und Aufmerksamkeit brachte.
Mit Alben wie Small Change und Blue Valentine wurde er zum Chronisten der Nacht. Er wohnte im Tropicana Motel in West Hollywood und pflegte das Bild des abgerissenen Nachtmenschen. Bei Filmarbeiten für Francis Ford Coppola lernte er Kathleen Brennan kennen, 1980 heirateten die beiden.
1983–1984
03 Neuanfang
Brennan brachte ihn auf neue Musik, von Captain Beefheart bis zu schrägen Klangexperimenten. Waits wechselte 1983 zu Island Records und veröffentlichte Swordfishtrombones, auf dem kaum noch Barklavier zu hören ist, dafür Marimba, Blechbläser und scheppernde Perkussion.
Im Herbst 1984 zog er nach New York und schrieb in einem Kellerraum in Manhattan die meisten Songs für sein nächstes Album.
1985
04 Rain Dogs
Rain Dogs entstand in den RCA-Studios in New York. Zum ersten Mal spielte der Gitarrist Marc Ribot mit Waits, dessen kantiges Spiel den Klang von da an prägte. Keith Richards von den Rolling Stones kam für „Big Black Mariah“, „Union Square“ und „Blind Love“ ins Studio.
Das Album erschien am 30. September 1985 mit 19 Stücken – eine Reise durch Seemannslieder, Tangos, Rumba, Country und Blues, von „Singapore“ über „Jockey Full of Bourbon“ bis „Time“. Einen richtigen Hit gab es erst Jahre später: „Downtown Train“ wurde in der Fassung von Rod Stewart ein Erfolg.
1986–2011
05 Bühne und Film
Waits spielte in Jim Jarmuschs Film Down by Law und brachte 1986 in Chicago das Theaterstück Franks Wild Years auf die Bühne. 1990 wurde in Hamburg The Black Rider uraufgeführt, mit Musik von Waits und einem Text von William S. Burroughs.
Für Bone Machine und Mule Variations erhielt er jeweils einen Grammy. 2011 erschien Bad as Me, im selben Jahr wurde er von Neil Young in die Rock and Roll Hall of Fame eingeführt.
2011–heute
06 Was bleibt
Nach Bad as Me veröffentlichte Waits lange keine neuen Songs und trat vor allem als Schauspieler in Erscheinung.
Im April 2026 meldete er sich mit „Boots on the Ground“ zurück, einem Protestsong mit Massive Attack – seiner ersten neuen Aufnahme seit fünfzehn Jahren.
Hörtipp
Rain Dogs passt zu einem langen Abend mit einem Glas in der Hand. Die neunzehn kurzen Stücke wirken am besten am Stück, wie ein Spaziergang durch eine fremde Stadt bei Nacht. Zur Album-Story →
Das Album bei Musik Ungestört
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Künstlerporträt
The Rolling Stones
2 Alben auf dieser Seite
Keith Richards spielt auf drei Stücken von Rain Dogs Gitarre und singt auf „Blind Love“ mit.
Zum Porträt → -
Eagles
Hotel California
1976rund 43 Minuten
Die Eagles nahmen 1974 Waits’ „Ol’ ’55“ auf – eine der ersten Coverversionen, die ihn bekannt machte.
Zur Album-Story →
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