Künstlerporträt
Nick Drake
Ein stiller Engländer mit Gitarre, dessen drei Alben zu Lebzeiten kaum jemand hörte – und die heute Generationen von Songschreibern begleiten.
Nick Drake hat in nur fünf Jahren drei Alben aufgenommen, und keines davon verkaufte sich zu seinen Lebzeiten nennenswert. Seine Lieder sind leise, fein gebaut und getragen von einem Gitarrenspiel in ungewöhnlichen Stimmungen, das wie ein kleines Orchester klingt. Auf der Bühne fühlte er sich unwohl, Interviews gab er kaum. Erst Jahrzehnte später fand seine Musik das Publikum, das sie verdient, und heute nennen Musikerinnen und Musiker von Kate Bush bis Bon Iver ihn als Vorbild.
In diesem Porträt
1948–1967
01 Rangun und Warwickshire
Nicholas Rodney Drake wurde am 19. Juni 1948 in Rangun in Birma geboren, wo sein Vater als Ingenieur arbeitete. 1951 kehrte die Familie nach England zurück und zog in das Haus Far Leys in Tanworth-in-Arden, einem Dorf in Warwickshire.
Musik lag in der Familie: Seine Mutter schrieb und sang selbst Lieder. Nick besuchte das Internat Marlborough College, war ein guter Sportler, spielte Klavier und Saxofon und brachte sich als Jugendlicher die Gitarre bei.
1967–1969
02 Cambridge und Joe Boyd
Im September 1967 begann er ein Studium der englischen Literatur am Fitzwilliam College in Cambridge. Im Dezember desselben Jahres spielte er bei einem Konzert im Londoner Roundhouse. Ashley Hutchings, Bassist von Fairport Convention, sah ihn dort und machte ihn mit dem Produzenten Joe Boyd bekannt.
Boyd hörte ein Demoband und nahm Drake sofort unter Vertrag. Neben dem Studium begann er mit den Aufnahmen zu seinem ersten Album, bei denen sein Studienfreund Robert Kirby die Streicherarrangements schrieb.
1969–1971
03 Five Leaves Left und Bryter Layter
Five Leaves Left erschien 1969 bei Island Records. Richard Thompson von Fairport Convention spielt darauf Gitarre, Danny Thompson von Pentangle Kontrabass, dazu kommen Kirbys Streicher. Die Kritiken waren freundlich, die Verkäufe gering. Drake brach das Studium kurz vor dem Abschluss ab und zog nach London.
Das zweite Album Bryter Layter erschien im März 1971, heller und reicher instrumentiert, mit Bläsern, Schlagzeug und Musikern von Fairport Convention. John Cale von The Velvet Underground spielt auf zwei Stücken, darunter „Fly“. Doch auch diese Platte fand kaum Käufer, und Drake zog sich immer mehr zurück.
1971–1972
04 Pink Moon
Ende Oktober 1971 ging Drake mit dem Toningenieur John Wood für zwei Nachtsitzungen in das Londoner Studio Sound Techniques. Diesmal wollte er keine Band und keine Arrangements, nur sich selbst. Er sang und spielte Gitarre, einzig auf dem Titelstück kam nachträglich ein Klavier dazu. Die elf Lieder sind zusammen nur gut 28 Minuten lang.
Das Band brachte er selbst zu Island Records und ging wieder, ohne viel zu sagen; erst später bemerkte man dort, dass es ein neues Album war. Pink Moon erschien am 25. Februar 1972. Stücke wie „Place to Be“, „Things Behind the Sun“ und „From the Morning“ sind karg und klar, und gerade diese Nähe macht das Album bis heute so eindringlich.
1972–1974
05 Stille Jahre
Nach Pink Moon kehrte Drake in sein Elternhaus in Tanworth-in-Arden zurück. Konzerte spielte er keine mehr. 1974 nahm er mit John Wood und Joe Boyd noch einige neue Lieder auf.
Nick Drake starb am 25. November 1974, mit 26 Jahren.
1974–heute
06 Was bleibt
1979 erschien die Box Fruit Tree mit allen drei Alben, und langsam wuchs eine kleine, treue Hörerschaft. Musiker wie Robert Smith von The Cure und Paul Weller sprachen offen über ihre Bewunderung.
Den großen Schub brachte ausgerechnet ein Werbespot: Ab November 1999 lief „Pink Moon“ in einer Autowerbung im amerikanischen Fernsehen. Die Verkäufe des Albums in den USA stiegen daraufhin um ein Vielfaches. Heute gilt Nick Drake als einer der einflussreichsten englischen Songschreiber seiner Generation.
Hörtipp
Pink Moon ist kurz genug für eine Plattenseite am späten Abend – bei gedämpftem Licht, in kleiner Runde, wenn das Gespräch von selbst leiser wird. Zur Album-Story →
Das Album bei Musik Ungestört
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The Velvet Underground & Nico
The Velvet Underground & Nico
1967rund 48 Minuten
John Cale von The Velvet Underground spielte 1970 auf Drakes zweitem Album Bryter Layter Bratsche und Cembalo.
Zur Album-Story → -
Künstlerporträt
R.E.M.
1 Album auf dieser Seite
Joe Boyd, der Drake entdeckte und seine ersten beiden Alben produzierte, produzierte 1985 auch R.E.M.s Album Fables of the Reconstruction.
Zum Porträt →
Nick Drake gemeinsam hören
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